Haus der jüdischen Kultur und Geschichte in Baden
EIN LEUCHTTURMPROJEKT FÜR BRUCHSAL
 


Auf dieser Seite finden Sie aktuelle Informationen zum Fortgang des Projektes Haus der Geschichte der Juden Badens. Die neuesten Beiträge sind oben, die ältesten am Ende der Seite.


Auf ihrer facebook-Seite veröffentlichte die Stieftochter von Bertl Levkowitz, verheiratete Magill, am 31. August 2020 diesen Nachruf (übersetzt aus dem Englischen):


Bea L. Magill, Ehefrau von Oberstleutnant Sam Magill, verstarb am Sonntag, 30. August 2020, in München. Bea wurde am 21. Mai 1922 als einziges Kind von Herman und Minna Lefkowitz in Frankfurt am Main geboren. Die Familie lebte in Bruchsal bis Bea 15 Jahre alt war, als ihre Eltern sie nach New York schickten, um sie aus Nazideutschland herauszuholen. Bea's Eltern gelang es ein Jahr später nach New York zu fliehen.


Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Bea in einem deutschen Kriegsgefangenenlager in Texas als Gutachterin und gehörte aufgrund ihrer Deutschkenntnisse zu den ersten Zivilisten, die am Ende des Krieges nach Deutschland geschickt wurden.


Bea hatte eine lange Karriere im zivilen Personalbüro der Armee in Frankfurt und später im Hauptquartier von USAREUR in Heidelberg, wo sie bis zum zivilen Äquivalent eines Armeegenerals aufstieg. Sie trat von dieser Position zurück, als sie und ihr Mann von Heidelberg nach München zogen. Bea begann eine neue Karriere in München als Vertreterin von Estée Lauder Cosmetics bei allen US-Militäreinrichtungen und -Botschaften in Europa.


1961 traf Bea ihren Ehemann Sam Magill in Frankfurt und sie heirateten am 15. Mai 1962 in El Paso, Texas, als Sam auf dem White Sands Missile Range, New Mexico, stationiert war. Mit dieser Heirat wurde Bea Stiefmutter von Sam Magill, Jr. und Lyn Magill. Bea und Sam waren 51 Jahre verheiratet, bis Sam im Jahr 2013 verstarb.


Bea und Sam waren beide sehr engagiert im Verband der Deutsch-Amerikanischen Clubs und im Deutsch-Amerikanischen Männer- und Frauenclub in München. Viele Jahre lang organisierte Bea "The Silver Tea", einen eleganten, formellen Ball, der jedes Jahr eine der wichtigsten Spendenaktionen des Frauenclubs war.


Bea wird an der Seite von Sam auf dem Friedhof der Monroe-Gemeinde Kelloggsville Cemetery, Kelloggsville, Ohio, beigesetzt.




Artikel in der Bruchsaler Rundschau vom 7. September 2021


Kindheit in der Synagoge verbracht  - Bruchsalerin Bertl Levkowitz ist im Alter von 98 Jahren in München verstorben


Im Alter von 98 Jahren ist in München Bea Magill gestorben, die Tochter des früheren Bruchsaler Synagogendieners Hermann Levkowitz. Ältere Bruchsaler kannten sie unter ihrem Mädchennamen Bertl Levkowitz. Als 15-jähriges Mädchen wurde sie im Jahr 1937 von ihren Eltern in die USA geschickt, um sie vor den Exzessen der NS-Diktatur zu schützen. Die Eltern folgten ein Jahr später und sind in den 1970er Jahren verstorben. 


Hermann Levkowitz war ein Schneidermeister aus Frankfurt, den Dienst in der Bruchsaler Synagoge übte er seit Anfang der 1930er Jahre aus. Seine Frau Minna war Kontoristin, ebenfalls aus Frankfurt, wo sie im Jahr 1920 geheiratet hatten. Bertl kam im Jahr 1922 in Frankfurt zu Welt und wuchs in der Bruchsaler Friedrichstraße auf.   


Ein ergreifendes Dokument der Zeitgeschichte ist ein handschriftlicher Brief von Mutter Minna an ihre Tochter, verfasst am 14. September 1937 in Bruchsal. Darin heißt es unter anderem: „Schicksalsschwer lastet die Zeit auf uns allen. Überall ein Abschiednehmen von Jungen und Alten.“ Die Eltern Levkowitz verließen Deutschland am 2. November 1938 mit dem Schiff und kamen am 10. November in New York an. An diesem Tag brannten in Deutschland die Synagogen.   


Bertl Levkowitz kam als amerikanische Besatzungsoffizierin bereits im Sommer 1945 nach Deutschland zurück und durfte mit einer Sondergenehmigung die früheren Synagogen-Nachbarn in Bruchsal besuchen. Im Mai 1962 heiratete sie den US-Offizier Sam Magill, der im Jahr 1944 als junger US-Leutnant an der Loire den deutschen Generalmajor Botho Henning Elster überzeugen konnte, sich mit rund 20.000 Soldaten zu ergeben. Magill, hoch dekoriert in Deutschland und den USA, war später in München in der Filmindustrie beschäftigt und Vorsitzender des deutsch-amerikanischen Clubs. Er starb am 30. Oktober 2013.


Rainer Kaufmann




Besuch bei einer alten Dame. Happy Birthday, Bea! Artikel im Kurier vom 20. Mai 2020


Bea Magill, geborene Bertha oder Bertl Lefkowitz, die Tochter des früheren Bruchsaler Synagogendieners Hermann Lefkowitz und dessen Ehefrau Minna, geborene Montag,  feiert heute am 21. Mai 2020 in München ihren 98. Geburtstag. In dem Bruchsaler Wochenjournal DER KURIER erschien dazu in der gestrigen Ausgabe eine ausführliche Würdigung des Lebens einer der ältesten Bruchsalerinnen.


Besuch bei einer alten Dame

Bertha Lefkowitz, die Tochter des Synagogendieners in Bruchsal, wird 98 Jahre alt


Bruchsal/München. Bei einem Treffen des Bruchsaler Arbeitskreises Synagoge im Verein bruchsalia, wo über das Bruchsaler Synagogengelände und dessen weitere Nutzung nach dem Auszug der dort untergebrachten Feuerwehr diskutiert wurde, merkte der Bruchsaler Journalist und Buchautor Rainer Kaufmann beiläufig an: „Ob Bertl noch lebt? Sie müsste jetzt weit in den 90ern sein. Sie war eine gute Freundin meiner Mutter – und die Tochter vom Bruchsaler Synagogendiener“. So nahm die Geschichte ihren Lauf.


Bertha Lefkowitz, Tochter des Bruchsaler Synagogendieners Hermann (1890 – 1975) und Minna Lefkowitz, geb. Montag, (1894 - 1974), wird am 21. Mai 98 Jahre alt. Für die Bruchsalerin werden derzeit auf facebook auf der Seite „Bruchsal Synagoge / Synagoge“ Geburtstagsglückwünsche gesammelt. Die Stieftochter Lyn Magill schreibt aus den USA dazu, dass ihre Mutter ganz sicher sehr stolz und glücklich wäre, wenn sie wüsste, dass man sich an sie als frühere Bürgerin der Stadt Bruchsal erinnert. Lyn wird an Beas Geburtstag mit dieser telefonieren und ihr von Bruchsal berichten und darüber, dass sie hier nicht vergessen ist.


Über einen Besuch bei der alten Dame Bertha Lefkowitz (heute Bea Magill) berichtet der Bruchsaler Rainer Kaufmann in seinem neu erschienen Buch „Elternstadt“. Bertha Lefkowitz, auch Bertl genannt, kam 1946 nach Kriegsende als amerikanische Soldatin nach Bruchsal und besuchte Kaufmanns Mutter Gertrud und deren Eltern Katharina und Anton Moritz. Natürlich hatte Bertl die obligatorischen Gastgeschenke mitgebracht: Bohnenkaffee und Seidenstrümpfe. 40 Jahre später, also 1986, war sie nochmals zu Besuch in Bruchsal. Damals durfte auch Rainer Kaufmann sie kennenlernen und erinnert sich an eine feine, elegante Dame, die viel mit seiner Mutter lachte und von früher erzählte. Kaufmann erinnert sich auch noch an den bewegenden, handschriftlichen Kondolenzbrief der damals 75-jährigen Minna Lefkowitz, Frau des Bruchsaler Synagogendieners, anlässlich des Todes seiner Großmutter im Jahr 1969. Wörtlich schreibt die gläubige Jüdin über ihre einstigen, ebenso gläubigen, aber katholischen Nachbarn: „Wenn alle Menschen so gut und fromm wären wie sie, Deine Eltern, waren, dann gäbe es keinen Krieg und keinen Rassenhass auf der Welt. Jeder Mensch könnte leben in Frieden und es ist genügend Platz auf dieser Welt.“ Vielleicht dachte Minna Lefkowitz beim Schreiben dieser Worte auch an die Lebensmittelpakete, welche die Familie Moritz für die Familie Lefkowitz kaufte und im Gebüsch des Synagogenhofes versteckte – bis auch dies zu gefährlich wurde?


„Ob sie wohl noch lebt, die Bertl?“ Diese Frage ließ Rolf Schmitt vom Verein Bruchsalia nicht mehr ruhen. Sollte Bertl tatsächlich noch leben? Eine umfangreiche Internetrecherche mit vielen Fehlversuchen führte Schmitt dann auf ein Portal für Genealogen. Dort suchte eine „Lyn“ nach Informationen zu Hermann Lefkowitz, dem früheren Bruchsaler Synagogendiener (Schammes) und dessen Familie. Eine E-Mail-Anfrage bei Lyn brachte die Gewissheit. Sie antwortete, sie sei die Stieftochter von Bea Magill, geborene Lefkowitz, aufgewachsen in Bruchsal. Lyn schrieb, ihr Vater war der US-Leutnant Samuel (Sam) W. Magill, der in den USA als Held gefeiert wurde, weil sich Ende 1944 ihm und seinen 24 Kameraden der deutsche Generalmajor Elster mit seinen 20.000 Soldaten ergab, statt seine ihm anvertrauten Soldaten sinnlos zu opfern. Sam Magill wurde in den USA dafür als Held gefeiert, der deutsche General zuhause zum Tode verurteilt. „Ja, meine Stiefmutter lebt noch. In München. Dort lebt sie seit ungefähr 50 Jahren, bis zu dessen Tod 2013 zusammen mit Sam, der sich für die Deutsch-Amerikanische Freundschaft einsetzte und das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekam.“


Als Rainer Kaufmann dies von Rolf Schmitt erfuhr, war sein Entschluss schnell gefasst. Er wollte Bertha Lefkowitz, heute Bea Magill, die Jugendfreundin seiner Mutter wieder treffen.

Und wenige Wochen später saß dann Bea in ihrem Rollstuhl vor den beiden Bruchsalern in der geschmackvoll eingerichteten Wohnung in München, wo sie auch nach dem Tode ihres Mannes wohnen blieb. Bea war eine außergewöhnlich hübsche Erscheinung wie die Fotos an den Wänden bewiesen – und dies nicht nur in jungen Jahren. Heute sichtbar dement, unfähig sich zu artikulieren, immer wieder einnickend, aber immer wieder auch für ein oder zwei Minuten geistig rege und ganz sicher aufnahmefähig. In diesen Momenten las Rainer Kaufmann Bea aus Notizen vor, die seine Mutter über Beas zweiten Besuch in Bruchsal machte: „Dieser hintere Teil [des Synagogen-Geländes] war nicht einzusehen und das war gut so.

Denn dort versuchten wir uns im Theaterspielen, im Spitzentanz und legten den ’Sterbenden Schwan’ aufs Pflaster. Doch all diese Versuche einer künftigen Theaterlaufbahn sind kläglich gescheitert. Bei unserem Wiedersehen im Jahr 1986 haben wir über diese Erinnerung besonders herzlich gelacht“.


Ob Bea verstand, was Rainer Kaufmann ihr vorlas? Er hatte den Eindruck, sie habe ihn verstanden, sich erinnert, sagte er später: „Das lasse ich mir nicht nehmen, denn mehrmals in dieser Stunde unseres Besuches ließ sie für ein oder zwei Minuten, vielleicht waren es auch nur einige Sekunden, meine Hand nicht los. Und immer wieder hörte sie intensiv zu, die Augen geöffnet, als blickte sie weit in die Ferne – oder auch weit zurück. Und hin und wieder startete sie gar einen Versuch, sich zu artikulieren, mir irgendetwas zu sagen.“


Beas Betreuerin war über den Besuch informiert und zeigte Fotos, die Bea über die Jahre gesammelt hatte, darunter auch Fotos von ihrer Kindheit. Zwischen den Fotos war auch ein Poesiealbum mit Sprüchen und Versen von Bertls Schulkameraden, aber auch einem Eintrag vom September 1937, mit dem sich die Eltern von ihrer einzigen Tochter verabschiedeten, schickten sie diese doch auf eine lange Reise und wussten nicht, ob sie sie jemals wieder sehen würden. Diese Widmung endet mit den ergreifenden Worten: „Diese Zeilen sind in schicksalsschwerer Zeit geschrieben, sollen Dich mein Kind übers Meer begleiten zur Erinnerung an Deine Dich liebenden Eltern“. Erst über ein Jahr später konnten sich Bea und ihre Eltern wieder in die Arme schließen, im fernen Amerika.


Als 1938 die Bruchsaler Synagoge brannte, waren Bertls Eltern schon auf der Flucht, wie sich Rainer Kaufmanns Mutter später erinnerte: „Als der Schein der brennenden Synagoge in mein Zimmer in der Friedrichstraße fiel, hatte ich nur einen einzigen Gedanken: Sie sind alle davon gekommen. Gott sein Dank!“.


Beas Tochter Lyn Magill wünscht sich einen ehrenvollen Umgang mit dem Synagogengelände. Sie befürwortet die Einrichtung eines Mahnmals oder Museums an dieser Stelle.


Rolf Schmitt



Happy Birthday, Bea!





Der Beitrag "Eine ungute Idee mit großartigem Potential" wurde mittlerweile auf facebook mehrfach kommentiert.


Hier ein paar Kommentare:



Debbie:

Rolf... thank you again for doing the right thing and speaking up.


David:

The good citizens of Bruchsal know it would be a travesty to build a fire fighters museum on this unique and historic spot. They should absolve themselves of their role by erecting a place honoring them elsewhere. Building it here will lock in their Unmenschlichkeit forever.


Reiner:

Never ever!!!!!


Lyn:

WHAT??!!! No!


Benno:

Who needs a museum for firefighters


Julie:

Ich denke nein. Und sie?


Rainer:

Eine unglaubliche Idee. Da gibts nur eine Antwort: Nie und nimmer!!!!


Karl-Heinz:

... das war schon beim Ersten Mal eine Frechheit ausgerechnet ein Feuerwehrhaus auf die Ruine zu bauen!


Michael:

Wow. I can’t even begin. Why does the site of the burned synagogue constantly have to be associated with fire? Is it just me, or isn’t this clearly problematic? Particularly as the fire department did nothing to save it that night, thus helping to burn it down with their inaction?


Bruno:

Was ist denn das wieder für' ne Scheissidee!


Rainer:

Was mich mittlerweile doch wundert, ist, dass der Vorschlag von einem Feuerwehrmuseum auf dem Synagogen-Gelände bis jetzt noch keine Reaktion in der Bruchsaler Lokalpolitik, der Stadtverwaltung und in den Medien gefunden hat. Dieser Vorschlag gibt Bruchsal der internationalen Lächerlichkeit preis. Will man/frau/mensch das wirklich? Das müsste eigentlich in der Öffentlichkeit diskutiert werden und nicht in den Hinterstuben des lokalpolitischen Mainstreams.


Rainer:

Was mich noch wundert, ist, dass es heute als ein besonderes Interesse der Stadtvewaltung an kulturellen Themen bewertet wird, wenn man 1947/48 auf keinen wichtigeren kulturellen Gedanken gekommen ist als ein Feuerwehrmuseum. Damit wird auch die Mentalität klar, die zuließ, dass ein Feuerwehrhaus auf dem Gelände der abgefackelten Synagoge gebaut werden konnte. Müssen wir ds heute einfach gedankenlos übernehmen oder sollten wir uns jetzt nicht erst recht weitere Gedanken zu diesem Ort machen?


Angelika:

schau dich nur um, was in Brusl de grusl geschieht.... Ghetto Bahnstadt usw.... Prestige pur... dafür Natur weg, weg.... bringt koi Geld....


David:

Thank for leading this important project.  I hope the good people of Bruchsal, and all of Baden can see the historic and financial value of this remembrance at the spot where a piece of our values and conscience was destroyed.  People will travel from far and wide to see this addition to your beautiful city.




Eine ungute Idee mit großartigem Potential

11. Mai 2020 | Rolf Schmitt

 


Heute erreichte den Förderverein ein Schreiben von Dr. Johann Christoph Weber, in dem er auf einen Artikel in der Zeitschrift „Der Kurier“ (Nr. 19 vom 7. Mai 2020, Seite 9) aufmerksam macht, in dem über Stadtratsprotokolle aus der Zeit des Wiederaufbaus 1947/48 berichtet wird. So habe sich die Bruchsaler Stadtverwaltung 1947/48 um die Einrichtung eines Feuerwehrmuseums bemüht und darüber den Gemeinderat unterrichtet. Das Museum sollte nach Fertigstellung des Schlosses dort im Corps des Logis untergebracht werden. Dr. Weber schreibt: „Im letzten Absatz des Berichtes heißt es: 'Um jetzt den Bogen zu heute zu schlagen: Ein Feuerwehrmuseum könnte im Zuge der Neugestaltung des Feuerwehrareals Friedrichstraße durchaus wieder ins Gespräch kommen'. Ich hoffe, dass damit nicht gemeint ist, ein Feuerwehrmuseum auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge zu errichten, wo die Bruchsaler Feuerwehr passiv am 10. November 1938 [Reichspogromnacht] dem Brand der Synagoge zusah, 'weil kein Wasser vorhanden war (1)'. Das könnte den Opfern und ihren Nachkommen wie ein Hohn vorkommen.“


Dieser Einschätzung von Dr. Weber kann nur gefolgt werden. Es ist schon heute niemandem erklärbar wie es möglich war, dass 1952 auf dem Synagogengrundstück ein Feuerwehrhaus gebaut wurde –  mit welcher Chuzpe der Bruchsaler Gemeinderat dies beschloss, nur 15 Jahre, nachdem die Bruchsaler Feuerwehr tatenlos dem Niederbrennen der Bruchsaler Synagoge zuschaute. Auch wenn die Reichspogromnacht mittlerweile über 80 Jahre zurück liegt und der Bau des Feuerwehrhauses bald 70 Jahre, darf trotzdem nicht zur „Tagesordnung“ übergegangen werden und eben halt mal so ein Feuerwehrmuseum dort gebaut werden. Ein Museum, in dem vielleicht sogar an das schändliche Geschehen in der Reichspogromnacht erinnert wird, das aber wohl einen anderen Schwerpunkt haben wird, denn „150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Bruchsal sind eine Erfolgsstory“, so Peter Huber in seinem 2004 erschienen Buch „Alarm für Florian Bruchsal“, euphorisch.


Nichtsdestotrotz birgt der Vorschlag von „Der Kurier“ eine ganz großartige Idee mit Potential. Der Gedanke der Stadtverwaltung Ende der 1940er Jahre, ein Feuerwehrmuseum zu errichten, ist so uninteressant nicht. Allerdings darf das natürlich nicht auf dem Grundstück, wo die Feuerwehr so schmählich agiert hat (bzw. eben gerade nicht), realisiert werden, sondern tatsächlich im Bruchsaler Schloss wie 1948 vorgeschlagen.


Schon seit längerer Zeit wird diskutiert, dass das Städtische Museum im Schloss total falsch platziert ist und darüber hinaus einer kompletten Überarbeitung bedarf, um die Attraktivität dieser Einrichtung zu steigern. Daher dieser Vorschlag: Das Städtische Museum wird auf dem Synagogengrundstück zusammen mit dem Haus der jüdischen Geschichte und Kultur errichtet, wodurch sich wieder wesentliche Synergieeffekte ergeben könnten. War doch beispielsweise der in Bruchsal aufgewachsene Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Marum jüdischen Glaubens, der jüdische Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Haas hatte Bruchsaler Wurzeln und der Bruchsaler Ehrenbürger Prof. Dr. Fritz Hirsch, der das hiesige Schloss sanierte und Architekt der Bruchsaler Fürst-Stirum-Klinik war, war ebenfalls jüdischen Glaubens.


Bevor sich Bruchsal wieder an unserer Geschichte und die Erinnerung so versündigt wie mit dem Bau des Feuerwehrhauses auf dem Synagogen-Areal durch den Bau eines Museums, in dem die „Erfolgsstory“ der Feuerwehr hochgejubelt wird, sollte lieber darüber nachgedacht werden, das eine zu tun: Feuerwehrmuseum im Schloss und das andere nicht zu lassen: Das Städtische Museum an attraktiver zentraler innerstädtischer Stelle.


(1) „Wir haben kein Wasser!“. Antwort eines Feuerwehrmannes auf die Bitte des Bruchsaler Rabbiners Dr. Siegfried Grzymisch, das Feuer zu löschen. Jürgen Stude, Geschichte der Juden in Bruchsal, Verlag Regionalkultur 2007, Seite 296.




Interview in DER KURIER – Bruchsal | 35. Jahrgang | Nr. 13 | Ausgabe Donnerstag,

26. März 2020 | Seite 4


Die Erinnerung sollte auf keinen Fall verschwinden“

Interview mit Dr. Michael Blume, dem Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg


Der Förderverein Haus der Geschichte der Juden Badens e.V. hatte den Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg, Dr. Michael Blume, zu einem öffentlichen Vortrag mit dem Titel „Alter Wein in neuen Schläuchen – Antisemitismus, Verschwörungsmythen und neue Medien“ nach Bruchsal ein. Aus gegebenem Anlass wurde die Veranstaltung abgesagt. Der Förderverein führte daher für die Leserinnen und Leser des KURIER dieses Interview mit dem Antisemitismus-beauftragten des Landes Baden-Württemberg.

Zur Person: Der Religions- und Politikwissenschaftler Dr. Michael Blume publiziert und bloggt regelmäßig zu unterschiedlichen Themen in den Bereichen von Religion und Politik. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet. Seit 2003 arbeitet er im Staatsministerium Baden-Württemberg und wurde 2018 zum Beauftragten des Landes gegen Antisemitismus berufen. Dr. Blume hat bereits mehrere Bücher herausgegeben, seine letzte Buchveröffentlichung erschien 2019 unter dem Titel „Warum der Antisemitismus uns alle bedroht: Wie neue Medien alte Verschwörungsmythen befeuern“.


Förderverein Haus der Geschichte der Juden Badens e.V.: Dr. Blume, aufgrund der Corona-Pandemie musste Ihr Vortrag in Bruchsal abgesagt werden.

Michael Blume: Die Entscheidung der Veranstalter ist völlig verständlich. Ich sage zwar von mir aus bislang keine Termine ab, akzeptiere aber die Entscheidungen der jeweiligen Organisatoren. Gerade jetzt gilt es, vernünftig zusammen zu halten.


Der Titel Ihres Vortrages wäre gewesen: „Alter Wein in neuen Schläuchen – Antisemitismus, Verschwörungsmythen und neue Medien“. Können Sie den Inhalt dieses Vortrages den Lesern bitte näher erläutern.

Blume: Schon in der Antike bildete sich der Glaube an eine jüdische Weltverschwörung. Hintergrund war, dass die Juden als erste Religionsgemeinschaft der Erde mit der Alphabetschrift Bildung und Zusammenhalt erreichten, wie man ihn bis dahin nicht kannte.

Daraus entstanden Neid und Hass, die sich dann auch im Christentum, im Islam und in der Aufklärung festsetzten. Neue Medien wie der Buchdruck, die elektronischen Medien Radio und Film und jetzt eben das Internet wurden von Judenhassern immer wieder benutzt, um den Antisemitismus zu verbreiten und zu radikalisieren.

Leider passiert das auch heute wieder, gerade auch im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Deswegen braucht es leider auch Beauftragte gegen Antisemitismus. Wir müssen es schaffen, den Verschwörungswahn diesmal zu stoppen.


Auf Einladung der AfD trat Björn Höcke 2018 in Bruchsal auf. 1200 Bruchsalerinnen und Bruchsaler demonstrierten dagegen mit einer langen Menschenkette quer durch die Stadt. Rechtsextremismus in Deutschland: Nie wieder? Schon wieder? Immer noch?

Blume: Antisemitismus und Rassismus waren ja nie wirklich verschwunden, aber durch das Internet können sich nun viel mehr Menschen vernetzen und auch gegenseitig aufhetzen. Doch ich bin sehr dankbar, dass überall in Europa und gerade auch in Bruchsal die vernünftigen Mehrheiten gegen den Hass aufstehen. Obwohl ich täglich in den Hass blicke, glaube ich auch wegen der vielen engagierten Menschen: Diesmal werden Rechtsextreme unsere Demokratie nicht zerstören, diesmal nicht!


Diskutiert wird in Bruchsal über den Umgang mit den noch vorhandenen Fundamenten der 1938 niedergebrannten Synagoge. Können die Steine weg?

Blume: Die Erinnerung sollte auf keinen Fall verschwinden. Aber es freut mich, dass viele Bruchsalerinnen und Bruchsaler Ideen entwickeln, wie man die Steine wieder zum Sprechen bringen kann. Das ist der richtige Weg!


Der Religionswissenschaftler und Pfarrer Dr. Joachim Hahn sagte zum Vorschlag des Fördervereins, in Bruchsal an 1.200 Jahre lebendige jüdische Kultur in Baden zu erinnern: „Das ist ja eine ganz großartige Idee, ein „Haus der Geschichte badischer Juden“ in Bruchsal.

Blume: Genau so sehe ich das auch. Spannend finde ich freilich auch die Bezüge zur Feuerwehr und zur Feuerwehrschule. In meiner persönlichen Idealvorstellung entstünde ein Haus, in dem die Geschichte der jüdischen Gemeinde und der Landes-Feuerwehr ihren Platz finden, in der auch Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden und merken, wie wichtig es ist, menschliches Leben zu schützen.

So etwas würde viel mehr Menschen einbeziehen als ein Haus, das einen der beiden Aspekte ausschließt. Allerdings sollten die Entscheidungen vor Ort getroffen werden, Bruchsal ist eine demokratisch regierte Kommune.


In diesem geplanten Geschichts- bzw. Kulturhaus badischer Juden soll auch an den in Bruchsal jüdisch aufgewachsenen Demokraten Dr. Ludwig Marum erinnert werden.

Blume: Genau das habe ich – neben 75 anderen Maßnahmen – in meinem Bericht an den Landtag letzten Oktober gefordert. Ich finde es gut und richtig, dass wir auch hier im Staatsministerium dem christlichen Demokraten und NS-Widerstandskämpfer Eugen Bolz gedenken. Zur Geschichte unseres Landes gehört jedoch ebenso die badische Demokratie und das Ehepaar Johanna und Ludwig Marum. Ich habe ganz konkret die SPD-Fraktion im Landtag gebeten, gemeinsam mit mir um die Benennung eines Raumes im Parlament zu kämpfen.




Veröffentlichung auf der Seite WOCHENBLATT-REPORTER am 22. März 2020:

www.wochenblatt-reporter.de/bruchsal/c-lokales/paul-schrag-haus-oder-haus-der-juedischen-kultur-und-geschichte-in-baden_a183100 


Die derzeitige Lage lässt es nicht zu, dass der "Förderverein Haus der Geschichte der Juden Badens" mit Informationsständen oder Vorträgen zum Thema "Haus der jüdischen Kultur und Geschichte in Baden" oder "Paul-Schrag-Haus" informiert und sich entsprechend den Bruchsalerinnen und Bruchsalern zur Diskussion stellt. Daher nachstehend der Text des neuen Flyers, der in diesen Tagen über Einzelhandel, Dienstleister sowie in der Fußgängerzone verteilt werden sollte.


Das Paul-Schrag-Haus*


HAUS DER GESCHICHTE der Juden Badens
oder
HAUS DER JÜDISCHEN KULTUR in Baden


EIN LEUCHTTURMPROJEKT FÜR BRUCHSAL


„Das ist ja eine ganz großartige Idee, ein Haus der Geschichte badischer Juden in Bruchsal. Die Initiative ist sehr gut, weil sie das Ziel hat, dass mit dem Grundstück der ehemaligen Synagoge in Bruchsal höchst verantwortungsbewusst umgegangen wird.“  Dr. Joachim Hahn, Alemannia Judaica


„Irgendwann muss doch mal Schluss sein“ oder „Die Steine können weg!“

„Die Erinnerung darf nicht enden, sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen“. So Ex-Bundespräsident Roman Herzog zur immer wieder geführten Schlussstrich-Diskussion.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte 2020 in seiner Rede in Yad Vashem die deutsche Verantwortung im Kampf gegen den Antisemitismus: “Fünfundsiebzig Jahre nach der Befreiung von Auschwitz stehe ich als deutscher Präsident vor Ihnen allen, beladen mit großer historischer Schuld. Unsere deutsche Verantwortung vergeht nicht, ihr wollen wir gerecht werden. An ihr sollt Ihr uns messen. Es darf keinen Schlussstrich unter das Erinnern geben”.


Ideen-Findungsprozess und -Wettbewerb

Bruchsal zieht sich glücklicherweise nicht mit einem lapidaren „irgendwann muss doch mal Schluss sein“ aus der Verantwortung. Der Bruchsaler Gemeinderat hat entschieden, die Bevölkerung auf den Weg zur Entscheidung über einen verantwortlichen Umgang mit dem Synagogengelände mit zunehmen. Das ist deutschlandweit vorbildlich. Die Ergebnisse aus dem Ideenfindungsprozess wurden in einen professionellen Ideen-Wettbewerb überführt, denn dieses Grundstück hat, so die Oberbürgermeisterin, eine ganz besondere Bedeutung: „Es gibt keinen anderen Ort in Bruchsal, an dem es so wichtig ist, die Vergangenheit und die Zukunft in Einklang zu bringen“.

Es ist schwer, aus den Entwürfen den einen einzig richtigen zu finden, sind diese doch sehr unterschiedlich. Es war aber keine Überraschung, dass nahezu alle Entwürfe für den Erhalt der Synagogenfundamente plädierten. Die Mehrzahl der Wettbewerbsteilnehmer stellte museale Einrichtungen wie beispielsweise das vom Förderverein vorgeschlagene Paul-Schrag-Haus in den Mittelpunkt, wohl wissend, dass dieses mit zur Zukunftsfähigkeit und Prosperität unserer Stadt beitragen kann. Der Erhalt der Synagogenfundamente sowie die Realisierung von kulturellen Einrichtungen wie diesem Geschichts- bzw. Kulturhaus, sind kluge Ansätze für die weiteren Diskussionen in Stadtverwaltung und Gemeinderat. Letzterer ist jetzt gefordert eine Entscheidung zu treffen, die für die kommenden Jahrzehnte zu einer positiven Stadtentwicklung beiträgt.


Die Grundmauern der ehemaligen Synagoge

Diese sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Bruchsaler Erinnerungskultur. Daher sind sie unbedingt zu erhalten und zu präsentieren, zeugen sie doch von dem deutschlandweit einmaligen Vorgang, dass auf den Grundmauern einer Synagoge, deren Brand in der Reichspogromnacht 1938 von der Feuerwehr nicht gelöscht wurde, 15 Jahre später ein Feuerwehrhaus gebaut wurde.
In Marburg wurde auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge ein Garten des Gedenkens eingerichtet, weil es sich um „historisch wichtige Fragmente, besonders angesichts der deutschen Geschichte und der aktuellen Situation“ handelt. Auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg erinnert ein Wasserspiegel an die zur Zeit des Nationalsozialismus verfolgten, deportierten und ermordeten Menschen und ruft dazu auf, „gegen Antisemitismus und Rassismus sowie für Frieden und Freiheit einzustehen und diese Werte entschlossen zu verteidigen.“


Die Idee: Haus der Geschichte der Juden Badens oder Haus der jüdischen Kultur in Baden - Das Paul-Schrag-Haus
Dieser Lernort ist kein Erinnerungsmuseum an die Shoah (Holocaust).

Vor der Shoah, mit der Ermordung von sechs Millionen jüdischen Menschen, lagen 1.200 Jahre lebendige jüdische Kultur in Baden, an die es zu erinnern gilt. Die badischen Juden waren eine lange hier ansässige Gruppe, die trotz Verfolgung und Vertreibung seit dem 9. Jahrhundert ununterbrochen hier lebte.

Diese 1.200-jährige Geschichte wird leider meist nur vom Ende her gelesen. In der Schule wird zwar wieder über den Holocaust gesprochen, aber kaum über die Beiträge der jüdischen Frauen und Männer, die unsere badische Heimat mit aufgebaut, gestaltet und somit für deren Wohlstand gesorgt haben.

Das Ziel der Nationalsozialisten wurde somit fast erreicht: Dies vergessen zu machen. Spontan fallen uns vom Dritten Reich produzierte Bilder ein, wenn wir heute jüdisch oder Juden hören. Juden auf dem Weg in die Konzentrationslager, in übervollen Viehwaggons, hinter Stacheldraht, ausgemergelte, geschundene Menschen, Berge von Leichen.

Wir sehen nicht die Menschen, die in unserer Mitte lebten, die in Deutschland, in Baden, aber auch hier in Bruchsal, viel für unser Land geleistet haben. Zum Beispiel der Brusler Otto Oppenheimer, Eugen Bruchsaler aus Sulzburg, Prof. Dr. Fritz Hirsch, der Bruchsals Schloss und Peterskirche umfangreich sanierte, Bankier Julius Bär aus Heidelsheim, der Gelehrte Ludwig Basnizki, Politiker wie Dr. Ludwig Marum, die Maler Gustav Wolf und Leo Kahn, die Schriftstellerin Anna Ettlinger oder der Nobelpreisträger Richard Willstätter aus Karlsruhe. Dies sind nur wenige aus einer langen Liste von Menschen jüdischer Religion, die durch ihre Beiträge zu Kultur, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft viel zu unserer badischen Identität und Prosperität beigetragen haben.

Es gibt ähnliche Projekte wie das hier angeregte Paul-Schrag-Haus mit Vorbildcharakter: Das Jüdische Museum der Stadt Frankfurt sammelt, bewahrt und vermittelt die neunhundertjährige jüdische Geschichte und Kultur der Stadt. Im Warschauer Museum der Geschichte der polnischen Juden, POLIN, befinden sich Räume für wechselnde Ausstellungen und eine ständige Ausstellung über die Geschichte der polnischen Juden vom Mittelalter bis heute. Daneben bietet das Bildungszentrum Tagungs- und Konferenzräume.


Warum gerade in Bruchsal?

Kein Ort in Baden wäre besser geeignet. Immer häufiger besuchen die Kinder und Kindeskinder badischer Juden die Heimat ihrer Vorfahren. Für diese ist das Haus der Geschichte der Juden bzw. der jüdischen Kultur die erste Adresse, um Einblick in das Leben ihrer Ahnen zu erhalten. Durch seine exzellente Verkehrsanbindung, die Lage zwischen den beiden wichtigsten badischen Städte mit großer jüdischen Population, Karlsruhe und Mannheim, das geschichtsträchtige Grundstück und die erstklassige innerstädtische Lage bietet sich Bruchsal als Standort idealtypisch an. Am Bruchsaler Bahnhof halten Schnellzüge, Regionalbahnen sind bis tief in die badische Region aber auch in die Pfalz vernetzt. Bruchsal hat einen eigenen Autobahnanschluss. Zwei Bundesstraßen führen direkt in die Stadtmitte. Baden-Airpark und Frankfurt Airport sind unweit von Bruchsal.


Ludwig Marum – mehr als nur ein Bruchsaler
Einer der bedeutendsten deutschen Politiker der Vorkriegszeit stammt aus unserer Stadt.

Der Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Dr. Michael Blume, fordert, den aus einer jüdischen Familie stammenden und in Bruchsal aufgewachsenen badischen Demokraten Ludwig Marum und dessen Ehefrau Johanna als landesgeschichtliche Identifikationsfiguren zu stärken und zu würdigen: „Es ist nun höchste Zeit, diesen badisch-jüdischen Demokraten und NS-Opfern einen landesgeschichtlich verdienten Platz ... als Mitbegründer und Verteidiger der Demokratie unseres Landes ... einzuräumen“. Im Paul-Schrag-Haus kann an Ludwig und Johanna Marum würdevoll und einzigartig gedacht werden.

Die Zukunft Bruchsals als Mittelzentrum

KIT-Professor Markus Neppl beschrieb in einem Interview in den BNN die bevorstehenden schwierigen Zeiten für unsere Städte, insbesondere die noch deutlich massiver werdenden Probleme für Handel und Gastronomie. Er befürchtet massive Schrumpfungen und fordert, unsere Innenstädte auf andere Weise interessant zu machen: „Dazu gehören Kultur und öffentliches Zusammenleben. Man versteht langsam, dass das Wohnumfeld und das gemeinschaftliche Nutzen von Fläche auch in kleineren Städten einen enormen Wert hat.“

Die Innenbezirke oder Fußgängerzonen kleinerer Mittelstädte werden es in Zukunft schwer haben, den Besuchern ein attraktives Einzelhandelssortiment anzubieten. Der Onlinehandel wird dem stationären Handel weiterhin schwer zu schaffen machen.


Bruchsal als Mittelzentrum wird gestärkt

Daher muss die Bruchsaler Innenstadt gestärkt werden. Es sind jetzt neue Ideen und Konzepte gefragt, wie auch von Professor Neppl angeregt, zumal mit dem Ende der Umbauarbeiten in Karlsruhe Kaufkraftverlust für Bruchsal zu erwarten ist.


Bruchsal kann mehr als Barockschloss und Spargel

Mit dem Paul-Schrag-Haus, ein in gleicher oder ähnlicher Weise noch nirgends in Baden-Württemberg umgesetztes Leuchtturmprojekt, kann sich Bruchsal zusätzlich zu Schloss und Musikautomatenmuseum ein einzigartiges touristisches Standbein verschaffen. Über die Schlossachse sind diese Bruchsaler Attraktionen miteinander verbunden.


Das alles und noch viel mehr?

Über die Idee eines Geschichts- bzw. Kulturhauses hinaus werden in Bruchsal zur weiteren Aufwertung unserer Stadt zusätzliche Möglichkeiten diskutiert: Verlagerung des Städtischen Museums auf das Synagogengelände, dazu noch ein Badisches Strafvollzugsmuseum und ein Badischer Lernort Demokratie, der über den oftmals steinigen Weg zur Freiheit und unserer freiheitlichen Demokratie informiert. Diese Ideen sind gut und richtig, tragen sie doch positiv zur Entwicklung unserer Stadt bei. Sie steigern die Anziehungskraft von Bruchsal und die Attraktivität der Innenstadt.


* Der jüdische Rechtsanwalt Paul J. Schrag wurde 1909 in Karlsruhe geboren und verstarb 1992 in New York. In seinem Buch "Heimatkunde" schildert er die Geschichte der Familie Kusel, wobei er vile Episoden aus seiner Bruchsaler Familie verarbeitet hat. Die Familie Schrag stammte zunächst aus Obergrombach und übersiedelte später nach Bruchsal. Paul Schrags Bruder Otto betrieb in Bruchsal die gleichnamige Malzfabrik in der Kaiserstraße. 1974 verfasste Schrag das Bühnenstück "Die Geschichte vom Herrn Rat", in dem er viele Elemente und Ereignisse seiner Bruchsaler Familie verwendete.                                                                                                                                                                   










Der neue Flyer des Fördervereins vom März 2020





















Flyer März 2020 zum Download
2020-03 DEUTSCH ENDVERSION_compressed.pdf (308.07KB)
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Artikel in der Rheinpfalz vom 7. Januar 2020: "Gedenken muss ins Auge fallen":











Mittlerweile ist das Thema zur Bebauung des Bruchsaler Synagogengrundstücks auch in Stuttgart angekommen. Unter der Titelzeile

"Neue Pläne am Standort der früheren Synagoge - Bruchsal plant einen Garten des Gedenkens"

erschien am 29. Dezember 2019 der hier verlinkte Beitrag von Stefan Jehle:


"Bruchsal will dem Gedenken Raum geben: An der Friedrichstraße in Bruchsal soll der Standort der 1938 zerstörten Synagoge wieder ins Blickfeld rücken - 1952 war gerade an dieser Stelle ein Feuerwehrhaus gebaut worden, das nun umzieht."



 




Fotos vom Besuch von Nachfahren von Ludwig und Johanna Marum in Ludwig Marums Heimatstadt Bruchsal





Kommentar von © Heike Schaub in der Bruchsaler Rundschau vom Samstag, 9. November 2019, zur Reichspogromnacht und dem Gedenken und Erinnern in der Stadt Bruchsal


Gebot der Stunde


Fast schon routinemäßig wird am 9. November an die Zerstörung der Synagogen bei der sogenannten Reichskristallnacht vor 81 Jahren erinnert: Etwa mit einem Rundgang in Bruchsal oder einem Pilgerweg durch Philippsburg. Nach dem Terror-Anschlag auf die Synagoge in Halle vor einem Monat und dem Angriff auf einen Studenten mit Kippa in einem Fitnessstudio in Freiburg am 5. November kommt den Gedenkveranstaltungen leider wieder besondere Bedeutung zu. Das Entsetzen in Deutschland ist groß, weil Antisemitismus erneut offen auftritt.


Andrée Fischer-Marum, der 78-jährigen Enkelin des 1934 im KZ Kislau ermordeten SPD-Politikers Ludwig Marum, lässt das keine Ruhe, wie beim Besuch im Bruchsaler Rathaus deutlich wurde. Dort werden noch bis 20. Dezember 18 Architekturentwürfe für die Nachnutzung des ehemaligen Synagogengeländes präsentiert. Zu Recht – und derzeit wird das immer wichtiger – legt die Stadt Bruchsal bei der Konzeption Wert auf das Gedenken und Erinnern. Große Hoffnung setzt Fischer-Marum auf ein Haus der Geschichte der badischen Juden, einem von 18 Entwürfen des Ideenwettbewerbs. Mittlerweile vergessen ist das lange fruchtbare Zusammenleben von Deutschen und Juden. Erinnert sei beispielhaft an die jüdischen Tabakfabrikanten Meerapfel aus Untergrombach oder den Tuchgroßhändler und Komponisten des „Brusler Dorscht“, Otto Oppenheimer. Die Verfolgung durch die Nazis hat dafür gesorgt, dass heute nur noch ein Dutzend Bürger in Bruchsal leben, die jüdischen Glaubens sind oder jüdische Wurzeln haben. An das Miteinander von Juden und Nicht-Juden zu erinnern, ist für die Nachnutzung des Feuerwehr-Areals ein wichtiger Punkt. Dabei sollte die jüdische Geschichte in Baden nicht nur als Opfer-Geschichte dargestellt werden.


Wie klein der Schritt von der Demokratie zum Unrechtsstaat und damit zur Verfolgung Andersdenkender ist, das versucht derzeit der Lernort Zivilcourage mit einem Dokumentationszentrum im ehemaligen KZ Kislau zu erreichen. Bis Ende des Jahres erhofft sich der Verein positive Signale aus Stuttgart zur Finanzierung. Das preisgekrönte mobile Lernlabor für Jugendliche zur Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus, das ab 2020 entstehen soll, scheint deshalb angesichts der aktuellen Entwicklung dringend geboten.


© Heike Schaub





Bericht von © Thomas Liebscher in der Bruchsaler Rundschau vom Samstag, 9. November 2019, zum Besuch der Nachfahren von Ludwig und Johanna Marum in dessen Heimatstadt Bruchsal










Im Amtsblatt Bruchsal vom 31. Oktober 2019, Nr. 44, herausgegeben von der Stadtverwaltung, hat der Bruchsaler CDU-Stadtverband diesen Text veröffentlicht. (Kommentar: Es wird leider nicht deutlich, mit welcher Intention der CDU-Stadtverband diesen Beitrag  verfasst hat.)


CDU-Stadtverband


CDU-Fraktion zur Nachnutzung des alten Feuerwehrareals/Synagoge


Stadtrat Werner Schnatterbeck hat in der vergangenen Gemeinderatssitzung zum Tagesordnungspunkt „Nachnutzung des alten Feuerwehrareals/Synagoge” für die CDU-Gemeinderatsfraktion Stellung genommen. Der Sinn, diesen Tagesordnungspunkt zu diesem Zeitpunkt anzusetzen, erschloss sich ihm allerdings nicht, weil die Entwürfe zur Nachnutzung des Feuerwehrareals lediglich den Jury-Mitgliedern bekannt waren. Er sieht also sozusagen das Einbiegen auf die Zielgerade der Entscheidungsfindung im Gemeinderat, der eine zukunftsgerichtete, verantwortliche Nutzung finden müsse, die die Vergangenheit berücksichtige und die verschiedenen Aspekte zusammenbinde. Damit kristallisieren sich einmal mehr die Säulen Nutzung, Gedenken, Gestaltung heraus. Damit bleibe also die große Herausforderung!


Schon jetzt kann positiv vermerkt werden, dass nach der Sitzungsvorlage der Umgang mit den Fundamenten der Synagoge in allen Entwürfen eine Rolle spielt. Die Kommission für Stadtgeschichte hat in ihrer letzten Zusammenkunft kritisch angemerkt, dass  bei der Ausschreibung keine entsprechenden Vorgaben gemacht wurden. Diese Kritik hat sich aber durch die Aufnahme des Anliegens in die jeweilige Planung nun erübrigt. Die Beurteilung der Fundamentreste durch die Kommission  ging der Oberbürgermeisterin und den Fraktionen zu und enthält den Vorschlag „einen – möglichst bedeutungsvollen – Teil der Reste zu konservieren und auf geeignete Weise der Besichtigung zugänglich zu machen. Sinnvollerweise wäre dies durch eine in räumlicher Nähe platzierte Dokumentation des Synagogengebäudes in Form von Plänen und Modellen zu ergänzen.


Dieser Vorschlag sollte Grundlage jeder weitergehenden Planung zur Nutzung des ehemaligen Synagogengeländes sein.“ Die CDU-Fraktion nimmt den derzeitigen Stand im Rahmen des vereinbarten Stufenplans zur Kenntnis und geht die nächsten Schritte im Rat mit der gebotenen Sorgfalt und Achtsamkeit an.


Hans-Peter Kistenberger




Ein Kommentar zur Diskussion um die Neubebauung des Bruchsaler Synagogengrundstücks von Christian Kretz, Bruchsal

Dieser Beitrag erschien am 28. Oktober 2019 erstmals bei  https://blog.bruchsal.org/


Think BIG!

Eine gute, ja vorbildliche Sache ist er allemal, der Wettbewerb um die Folgenutzung des Synagogenplatzes in Bruchsal. Die Entwürfe, die vergangene Woche auf der Vernissage im Bruchsaler Rathaus präsentiert wurden und der Öffentlichkeit dort weiterhin zugänglich sind, belegen dies ohne jeden Zweifel. Nicht nur die prämierten Vorschläge, sondern ausnahmslos alle eingereichten Arbeiten machen deutlich, wie ernst die Architektinnen und Architekten das Gedenken an die Geschichte des Ortes nahmen und wieviel Raum und Fokus sie den noch vorhandenen Fundamenten der Bruchsaler Synagoge in ihren Arbeiten einräumen. Keine Rede mithin von der vielfach beschworenen Bronze-Gedenktafel als Minimallösung des Bruchsaler Umgangs mit seiner Geschichte.


Soweit also alles gut? Ein Vorschlag, der über den rein architektonischen Umgang mit dem Areal hinausgeht, kam bei der Präsentation definitiv zu kurz: Das Haus der Geschichte badischer Juden, das von der Idee in geradezu idealer Weise die Historie des Areals mit unserer Gegenwart verbinden könnte mit einer Strahlkraft weit über Bruchsal hinaus. Die israelitische Kultusgemeinde Baden und ihr Vorsitzender, Rami Suliman, hatten die Idee nach Bruchsal gebracht und immer wieder ihre Unterstützung signalisiert und es bleibt völlig unverständlich, wie wenig Gegenliebe die Jury für ein solches Projekt mit seinen riesigen Möglichkeiten für Bruchsal zeigt. Ein Haus der Geschichte badischer Juden als Lern- und Begegnungsort in Bruchsal hätte nicht nur das Potential dauerhaft Besucher in die Innenstadt zu bringen. Seine Lage am Südende der Bruchsaler Schlossachse wäre hierfür in geradezu idealer Weise geeignet. Es wäre darüber hinaus ein klares Statement unserer Stadt in Zeiten eines wiedererwachten Antisemitismus, nach Halle und den Wahlergebnissen in Thüringen, der deutlich über die Lippenbekenntnisse wohlfeiler Stolpersteinverlegungen hinausginge.


Ob Bruchsal groß denken kann und diese einmalige Chance ergreift oder ob am Ende doch wieder historische Lethargie und kurzsichtiger Pragmatismus die Oberhand behalten, wird sich spätestens dann zeigen, wenn der Gemeinderat die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Synagogenareals trifft.


© Christian Kretz





8. Oktober 2019: Gutachterliche Stellungnahme der Kommission für Stadtgeschichte zur Erhaltungswürdigkeit der Fundamentreste der ehemaligen Synagoge.


Die Bruchsaler Kommission für Stadtgeschichte wurde beauftragt, den Mitgliedern des Bruchsaler Gemeinderates sowie der Oberbürgermeisterin der Stadt Bruchsal die von der Kommission erarbeitete "Gutachterliche Stellungnahme zur Frage der Erhaltungswürdigkeit der Fundamentreste der ehemaligen jüdischen Synagoge Bruchsals" zukommen zu lassen. Die Kommission regt den Gemeinderat der Stadt Bruchsal an, dieses Gutachten in seine Entscheidungsfindung in Bezug auf die mögliche Bebauung des Areals einzubinden. In der nächsten Sitzung der Kommission für Stadtgeschichte soll über eine mögliche Nachnutzung des Synagogengeländes gesprochen werden. Hier die gutachterliche Stellungnahme im Wortlaut:


Gutachterliche Stellungnahme der Kommission für Stadtgeschichte zur Frage der Erhaltungswürdigkeit der Fundamentreste der ehemaligen jüdischen Synagoge Bruchsals


Die Kommission für Stadtgeschichte ist überrascht, dass die Ausschreibung für die von Architekten zu erstellenden Pläne zur baulichen Gestaltung des ehemaligen Synagogengeländes keine Aussagen zum Umgang mit den noch vorhandenen Grundmauern enthält.


Die folgenden Thesen gelten nicht der baulichen Gestaltung des ehemaligen Synagogengeländes insgesamt. Sie behandeln nur die Frage, ob und in welchem Umfang die noch vorhandenen Fundamentreste erhalten werden sollen.


1. Die Fundamentreste sind nach Ansicht der Kommission weder von besonderer siedlungsgeschichtlich-archäologischer noch architekturgeschichtlicher Bedeutung. Zur architektonischen Struktur der Synagoge gibt es bessere Quellen.


2. Ganz anders sieht es unter dem Aspekt der Erinnerung aus. Intensiver als jeder Plan oder jedes Modell vermögen die konkreten Überreste des Gebäudes seinen zentralen Standort inmitten der Stadt und seine verbrecherische Zerstörung vor Augen zu führen. Sie besitzen in dieser Hinsicht eine besondere, nicht ersetzbare Qualität.


3. Um ihre spezifische Gedenkfunktion zu erfüllen, müssen allerdings nicht alle Fundamentreste akribisch frei gelegt und konserviert werden. Eine solche Forderung würde zudem die weitere Nutzung des gesamten Geländes unangemessen festlegen.


4. Die Kommission schlägt deshalb vor, zumindest einen – möglichst bedeutungsvollen – Teil der Reste zu konservieren und auf geeignete Weise der Besichtigung zugänglich zumachen. Sinnvollerweise wäre dies durch eine in räumlicher Nähe platzierte Dokumentation des Synagogengebäudes in Form von Plänen und Modellen zu ergänzen.


5. Dieser Vorschlag sollte Grundlage jeder weitergehenden Planung zur Nutzung des ehemaligen Synagogengeländes sein.


6. Um einer vollständigen Überbauung, eventuell verbunden mit einer völligen Entfernung der Fundamentreste zustimmen zu können, bedürfte es sehr überzeugender, weit über finanzielle Überlegungen hinausgehender Argumente. Für die Kommission sind sie bislang nicht vorhanden.




Leserbrief in der Bruchsaler Rundschau vom 5. Oktober 2019, Seite 28

   

Museum bringt kein Leben in die Stadt
Zum Artikel: „Chance für zweiten Magneten in Bruchsal“ (19. September):
Bruchsal braucht keinen neuen Magneten! Ein neues Museum bringt kein Leben in die Stadt. Vielmehr sollten in der Stadt Wohnungen für junge Familien geschaffen werden, denen Bruchsal zur Heimat werden wird. Mit Freude habe ich gelesen, dass Herr Ayrle, der Stadtplaner, sich für eine attraktive Nutzung einsetzt. Die Bebauung mit stadtnahen Wohnungen auf dem Feuerwehr-Areal kann zur Belebung und Attraktivität der Innenstadt beitragen.
Dr. Erich Trausel Bruchsal


(Dr. med. Erich Trausel ist ein mittlerweile verrenteter Bruchsaler Zahnarzt)




1. Oktober 2019: Presseveröffentlichung der SPD Bruchsal:

Wie geht es mit dem Synagogengrundstück weiter?
SPD-Bundestagsabgeordnete informierte sich über das Projekt "Haus der Geschichte der Juden Badens"  

Hohen Besuch hatten die Bruchsaler Sozialdemokraten. Die Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion Gabriele Katzmarek aus Rastatt und der SPD-Kreisvorsitzende Christian Holzer waren zu Besuch, um sich über die geplante Nachnutzung des Bruchsaler Synagogengrundstückes, heute steht dort das Feuerwehrhaus, zu informieren.


Der Vorsitzende des Fördervereins Haus der Geschichte der Juden Badens, Dr. Günter Majewski, erläuterte den Anwesenden die Ziele des Fördervereins und den derzeitigen Sachstand. Er halte die Einrichtung eines Hauses der Geschichte der Juden Badens für die Option für Bruchsal, die zum einen der Bedeutung des Grundstückes, aber auch den Interessen der Bruchsalerinnen und Bruchsalern am besten gerecht werde. Eine kommerziell betriebene Bebauung des Grundstückes durch Investoren oder Bauträger fände er schlecht für diese Stadt und deren Entwicklung, bräuchte doch Bruchsal als Mittelzentrum mehr „Erzählungen“ als Schloss oder Spargel. Man könne auf diesem geschichtsträchtigen Grundstück – dort stand bis 1938 die Bruchsaler Synagoge, die in der Reichspogromnacht niedergebrannt wurde – nicht ein kommerziell getriebenes Gebäude errichten und somit das Andenken an das Geschehene zunichte machten. Daher träte der Förderverein für das Haus der Geschichte der Juden Badens ein, als ein offenes Haus der Begegnung, des Erlebens, des Lernens und Forschens für alle Teile der Bevölkerung.


Darüber hinaus wurde vom Förderverein in seinem Beitrag zum Ideen-Wettbewerb als neues Geschichtshaus an der Straße der Demokratie das Emil-Belzner-Haus vorgestellt. Dort sollen die Städtischen Sammlungen (Städtisches Museum) neu präsentiert werden, das badische Strafvollzugsmuseum soll dort Platz finden sowie ein Lernort Demokratie. Majewski verwies auch auf den SPD-Politiker Ludwig Marum, der in Bruchsal aufwuchs, zur Schule ging und in der später niedergebrannten Synagoge seine Bar Mitzwa feierte. Ludwig Marum wurde 1934 wegen seines Eintretens für Recht, Freiheit und Demokratie von NS-Schergen im KZ Kislau ermordet.


In ihrem Eingangsstatement betonte die Bundestagsabgeordnete Katzmarek ebenfalls die Bedeutung des SPD-Mitglieds und Reichstagsabgeordneten Ludwig Marum. Sie berichtete, dass im Deutschen Bundestag in Berlin mehrfach an Ludwig Marum gedacht wird, so auch am »Denkmal für die 96 ermordeten oder verschleppten Reichstagsabgeordneten«, das sich vor dem Reichstagsgebäude befindet.

Gabriele Katzmarek unterstrich, dass sie die Idee eines Hauses der Geschichte der Juden Badens gut vorstellen kann, denn dieses Geschichtshaus wäre einmalig in Baden und würde die Stadt Bruchsal aufwerten. 





18. September 2019: Die Bruchsaler Rundschau berichtet: "Förderverein befürchtet Verkauf"










































13. September 2019: Die Bruchsaler Rundschau berichtet: "St.Peter-Förderverein will Zeichen setzen"





Das Schreiben vom 26. August 2019 im Wortlaut:


Ideenwettbewerb für die Nachnutzung des Feuerwehr-Areals


Mit Interesse haben wir den Vorschlag Ihres Vereins zum Bau eines "Haus der Geschichte der Juden Badens" auf dem Feuerwehr Areal zur Kenntnis genommen. Wir unterstützen Ihre Initiative.


In einer Zeit, in der Antisemitismus und Geschichtsvergessenheit zunehmen, bietet sich für unsere Stadt die wohl einmalige Chance, auf diesem historischen Gelände ein Zeichen der Erinnerung und vielleicht auch der Wiedergutmachung zu setzen. Es waren Bruchsaler Bürger, die das jüdische Gotteshaus in ihrer Stadt in Schutt und Asche legten. Das sollte nicht vergessen werden und den nachfolgenden Generationen eine Mahnung sein.


Wir wollen als "Förderverein zur Erhaltung der Barockkirche St. Peter", die durch glückliche Umstände den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden hat, ein Zeichen der Solidarität mit Ihnen und den jüdischen Mitbürgern setzen.


In dieser Einrichtung sollte auch das Verhältnis der überwiegend katholischen Bevölkerung zur jüdischen Gemeinde und ihr Verhalten nach der Zerstörung der Synagoge dokumentarisch ihren Platz finden.


Wir freuen uns sehr, wenn die Initiative Ihres Fördervereins zum Erfolg führt.


Mit allen guten Wünschen und herzlichen Grüßen

Förderverein zur Erhaltung der Barockkirche St. Peter










September 2019: Veröffentlichung in chrismon plus, "das evangelische Magazin"


Mittlerweile wird auch in der überregionalen Presse über das Bruchsaler Projekt "Haus der Geschichte der Juden Badens" berichtet. Das evangelische Magazin chrismon plus berichtet in seiner September-Ausgabe ausführlich über die Aktivitäten des Fördervereins. 


Laut Selbstbeschreibung versteht sich das Magazin „als publizistische Heimat aller Leser, die sich für christliche Themen und Werte interessieren“.  Thema sind „Menschen, die das Leben in allen seinen Herausforderungen zuversichtlich und verantwortlich meistern. Die sich ihren jeweiligen Lebenssituationen stellen und daran wachsen, die sich in unterschiedlichen Situation mit der tröstenden Kraft von Liebe, Glauben und Kirche auseinandersetzen“.















11. August 2019: Veröffentlichung im wochenblatt-reporter.de:


Die Zukunft des Bruchsaler Synagogengrundstücks:


https://www.wochenblatt-reporter.de/bruchsal/c-lokales/die-zukunft-des-bruchsaler-synagogengrundstuecks_a110521




9. August 2019: Über das Treffen mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Christian Jung berichtet auch die Bruchsaler Rundschau:













8. August 2019: BadenTV berichtet über ein Treffen des Fördervereins mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Christian Jung:

Synagogengelände Bruchsal: Förderverein hofft auf Vertagung der Entscheidung


Bruchsal (ck) Es könne ein Leuchtturmprojekt für Stadt und Land werden: So die Befürworter eines "Haus der Geschichte der Juden Badens" auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge in Bruchsal. Auf Einladung des FDP-Bundestagsmitglieds Christian Jung trafen sich heute morgen Mitglieder (…)


https://baden-tv.com/synagogengelande-bruchsal-forderverein-hofft-auf-vertagung-der-entscheidung/




3. August 2019: Artikel in der Schwäbischen und Reutlinger Zeitung:

 

Ein Haus der Geschichte über Juden? Bruchsal diskutiert, wie ein früherer Synagogen-Standort zukünftig genutzt werden soll.  

https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Ein-Haus-der-Geschichte-ueber-Juden-424228.html  

 

  

 Juli 2019:   Ein Leuchtturm-Projekt

Haus der Geschichte der Juden Badens – ein Förderverein hat eine große Idee, der Vorsitzende Günter Majewski stellt sie vor


Ihr Verein will auf dem Grundstück des Feuerwehrhauses ein Haus der Geschichte der Juden Badens errichten. Warum dort? Was hat es mit dem Grundstück auf sich?

Günter Majewski: Die Geschichte der Juden in Bruchsal reicht bis ins Mittelalter zurück, ist keine kontinuierliche und nur mehr oder weniger gut dokumentiert. Gesichert und für uns interessant ist, dass mit Beginn des 19. Jahrhunderts die Idee entstand, dort, wo heute das Feuerwehrhaus steht, eine Synagoge zu bauen. Der letzte Neubau wurde 1881 errichtet, ein imposantes Gebäude, 1926 renoviert und 1938 von Nationalsozialisten zerstört. Die Grundmauern sind nach wie vor vorhanden. Als bekannt wurde, dass die Firma SEW EURODRIVE für das Feuerwehrgebäude einen neuen Standort bereithält und den Bau finanziert, hat man sich gefragt, was macht man mit dem alten Grundstück, das die Stadt Bruchsal Anfang der 1950er Jahre erworben hatte. Für uns ist wichtig, dass dort etwas geschieht, das mit dem Judentum zusammenhängt. Es ist wichtig, die sehr reiche Geschichte der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die das Stadtbild mitgeprägt haben, aufzuarbeiten. In Bruchsal hat man, wie in anderen Städten auch, in der Reichspogromnacht Synagogen angezündet und die Feuerwehr gerufen, damit die angrenzenden Gebäude nicht durch den Funkenflug beschädigt wurden. Der eigentliche Brand wurde natürlich nicht gelöscht. Und ausgerechnet in Bruchsal, nur hier, hat man dann ein Feuerwehrhaus daraufgestellt. Das kommt uns besonders makaber vor. Wir sind der Ansicht, dass man die Grundmauern der Synagoge wieder freilegen sollte. Nach jüdischer Vorstellung sollten dort, wo einmal eine geweihte Synagoge stand, die Grundmauern nicht zugedeckt oder überbaut werden. Bei einem Abbruch des jetzigen Gebäudes könnten die dann freigelegten Fundamente vielleicht in eine Parkanlage eingebunden werden.


Was soll das Haus für eine Funktion haben?

Es soll, weil es auch von jüdischer Seite nicht so gewünscht ist, kein weiteres Holocaust-Denkmal werden, sondern eine würdige Gedächtnis- und Erinnerungsstätte; kein totes Museum, sondern eine wirkliche Begegnungsstätte für Menschen, die sich mit dem Thema Judentum in Baden befassen wollen. Da sind natürlich museale Aspekte dabei, aber es soll ein multikulturelles und multifunktionales Begegnungszentrum werden, mit Seminarräumen und Studienbereichen. Der Schwerpunkt sollte die jüdische Kultur bilden, aber man könnte auch andere Nutzer mit ins Boot nehmen. Die angrenzenden Schulen zum Beispiel, denen man in dem Gebäude Seminarräume oder eine Aula einrichten könnte. Auch andere Themen der Geschichte Badens könnten eine Rolle spielen: die Badische Revolution, die Bauernaufstände, Joß Fritz aus Untergrombach. Man könnte eine Bibliothek einrichten, die Stadtgeschichte dokumentieren, das Stadtarchiv könnte Räume nutzen und bespielen. Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass man ein Geschoss für Gästezimmer herrichtet, für Referenten oder Stipendiaten; dass dort jemand für gewisse Zeit residieren könnte, ähnlich wie ein Stadtschreiber. Und wenn das Gebäude die entsprechende Höhe hätte, wäre es natürlich sehr schön, oben ein Restaurant oder ein Café zu betreiben, mit dem Blick über die Stadt – was zur finanziellen Entlastung beitrüge.


Warum stünde ein solches Haus der Stadt Bruchsal gut an?

Wir vom Verein, insbesondere Rolf Schmitt, haben alle jüdischen Einrichtungen um Bruchsal herum recherchiert. Ein solches Projekt, wie wir es planen, ist nicht vorhanden. Es gibt jüdische Friedhöfe, Gedenkstätten, einfache Gedenksteine oder Plaketten an Häusern – oder natürlich die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg. Aber unser Projekt ist sogar für ganz Süddeutschland einzigartig. Das wäre wirklich ein Leuchtturm-Projekt. Und es stünde Bruchsal natürlich gut an, weil man diese Zeit zwischen 1933 und 1945 hier lange totgeschwiegen hat. Die hat hier offiziell nicht stattgefunden. Ich kann mich an meine Kindheit erinnern, da gab es ein Geschichtsbuch von Bruchsal und da war genau diese Zeit ausgelassen. Mit dem Haus der Geschichte hätte man, fußläufig vom Bahnhof, neben dem Barockschloss einen weiteren kulturellen Höhepunkt. Letztlich wäre es auch eine gute Sache für das Stadtmarketing, wenn man abgesehen vom Schloss …


und der Badischen Landesbühne

… und der Badischen Landesbühne einen zusätzlichen Magneten hätte, einen weiteren Anlass, die Stadt zu besuchen. Deswegen sollte das Haus auch kein totes Museum sein, wo man ein paar verstaubte Exponate sieht, sondern mit Hilfe moderner Museumspädagogik etwas Griffiges, Lebendiges anbieten. Für Bruchsal wäre das ein unbedingter Gewinn.


Wie kam es zu dem Namen: Haus der Geschichte der Juden Badens?

Wir haben lange gerungen, wie wir es nennen wollen. Wir wollten es nicht „der badischen Juden“ nennen, damit wären nur diejenigen hier in der Gegend gemeint, sondern wir meinen die Juden, die etwas mit Baden zu tun haben. Es soll zunächst regional begrenzt sein. Den Anspruch für ganz Baden-Württemberg oder ganz Süddeutschland, den wollten wir nicht, das wäre doch etwas hoch gegriffen. Aber gerade hier im Nordbadischen gab es sehr viele jüdische Persönlichkeiten, die Großes geleistet haben. Baden galt in Deutschland schon immer als Musterländle, auch in Bezug auf die Religionsfreiheit. Die Juden in Baden waren mit die ersten, die staatsbürgerlich gleichgestellt waren. Allerdings gab es auch massive Widerstände aus der Bevölkerung gegen die Judenemanzipation. Da gibt es sehr viele hässliche Dokumente. Gerade also in Baden waren Juden früh vollwertige Mitbürger und viele jüdische Geschäftsleute hatten bis zum Beginn des Dritten Reichs hier große Unternehmen. Die Bruchsaler Farbenfabrik, Familie Meerapfel, der die Tabakfabriken gehörten, oder Familie Schrag. Harry Ettlinger, einer der Monuments Men, die beauftragt waren, die von den Nazis versteckten Kulturgüter ausfindig zu machen, war ein Enkel des Textilgroßhändlers Otto Oppenheimer. Es gibt unglaublich viel, was man hier in Erfahrung bringen kann. Man könnte ein riesiges Gebäude mit interessanten Biografien füllen.


Dr. phil. Günter Majewski, in Bruchsal geboren, eröffnete 1982 seine Buchhandlung, promovierte über die Waldenser in Württemberg und unterrichtete zwischenzeitlich angehende Buchhändler.


Das Interview erschien erstmals in "Weltgeschichten", einer Publikation der Badischen Landesbühne zur Spielzeit 2019.2020. Die Veröffentlichung erscheint mit freundlicher Genehmigung des Theaters.



13. Juli 2019: Abermals großes Interesse am Informationsstand des Fördervereins Haus der Geschichte der Juden Badens e.V.


Auf erneut großen Zuspruch stieß der zweite Informationsstand des Fördervereins Haus der Geschichte der Juden Badens, der am Samstag, den 13. Juli 2019 in der Bruchsaler Fußgängerzone stattfand. Die vielen Besucher des Informationsstandes ließen sich ausführlich über die Überlegungen des Fördervereins zur weiteren Nutzung des Synagogengrundstückes informieren. Große Beachtung fand vor allem, welche überragenden Möglichkeiten dieses innerstädtische „Filetstück“ über das Haus der Geschichte der Juden Badens hinaus für die weitere Entwicklung unserer Stadt bietet, können hier doch die Weichen für die Stadtentwicklung der nächsten Jahrzehnte positiv gestellt werden.


Die Aktiven des Fördervereins konnten an diesem Tag neben den vielen Besuchern der Fußgängerzone und des Wochenmarktes Tag illustre Gäste aus Verwaltung und Politik begrüßen.


Der CDU-Bundestagsabgeordnete Olav Gutting nutzte seinen Anwesenheit in der Region, um sich vor Ort über die Idee des Geschichtshauses informieren zu lassen. Er zollte dem gesellschaftlichen Engagement der Fördervereinsmitglieder Lob und seinen Respekt, die Ideen und den ersten Entwurf für eine Umsetzung des Projektes empfand er als ansprechend. Seine Empfehlung an die Aktiven war, weiterzumachen.


Ebenfalls zu Gast auf dem Informationsstand des Fördervereins war die Oberbürgermeisterin von Bruchsal, Frau Cornelia Petzold-Schick. Sie ließ sich von den Mitgliedern des Vereins ausführlich die Idee eines Haus der Geschichte der Juden Badens erläutern, wobei als eines der Vorbilder das Polin, das Museum der Geschichte der polnischen Juden, genannt wurde, das in Warschau zu den meistbesuchten Attraktionen zählt. Die Vereinsmitglieder unterstrichen im Gespräch ihre Sichtweise, dass gerade eine Geschichtshaus der geschichtlichen Herausforderung sowie der gesellschaftlichen Notwendigkeit gerecht würde.





22. Juni 2019: Informationsstand in der Bruchsaler Fußgängerzone


Sehr erfolgreich war der Informationsstand des Fördervereins am Samstag in der Fußgängerzone. Viele Bruchsalerinnen und Bruchsaler waren extra in die Innenstadt gekommen, um sich dort über die Vorstellungen und Ideen des Fördervereins zu informieren. Mindestens 250 Interessierte konnten angesprochen werden, die nicht nur den neuen Flyer des Fördervereins mit nach Hause nahmen, sondern auch mit ihrer Unterschrift einen Appell des Fördervereins an Oberbürgermeisterin und Gemeinderat unterstützten. Diese sollen sich für ein Haus der Geschichte der Juden Badens als ein Zeichen der Erinnerung, der Versöhnung und der Weltoffenheit unserer Stadtgemeinschaft einsetzen, wobei darüber hinaus Bruchsal als Mittelzentrum gestärkt und die Anziehungskraft und Attraktivität der Innenstadt gesteigert werden.


Voraussichtlich am Samstag, den 13. Juli 2019, findet der nächste Informationsstand des Fördervereins Haus der Geschichte der Juden Badens von 9 bis 12 Uhr in der Bruchsaler Fußgängerzone statt.

Fotos. privat





21. Juni 2019: DER KURIER, Seite 8

 



12. Juni 2019 : Baden TV       

interviewte den Vorsitzenden des Fördervereins, Dr. Günter Majewski. Die Pressesprecherin der Stadtverwaltung nimmt im weiteren Verlauf Stellung. Sie betont, dass die Entscheidung über die Nachnutzung des Grundstücks beim Bruchsaler Gemeinderat liegt.


https://baden-tv.com/altes-feuerwehrhaus-in-bruchsal-kommt-nach-dem-umzug-ein-judisches-museum/




11. Juni 2019: Pressemitteilung des Fördervereins

Bruchsaler "Förderverein Haus der Geschichte der Juden Badens e.V." gegründet


Anfang bis Mitte 2020 wird die Bruchsaler Feuerwehr ihr neues Domizil in der Bahnstadt beziehen können. Dort hat bis dahin die Bruchsaler Firma SEW-Eurodrive für unsere Freiwillige Feuerwehr auf städtischem Gelände ein schlüsselfertiges Feuerwehrhaus errichtet, das die Stadt 30 Jahre lang unentgeltlich nutzen kann.


Seit dies bekannt wurde, wird in Bruchsal über die weitere Nutzung des Geländes diskutiert, auf dem seit mindestens 1801 die Bruchsaler Synagoge stand. Die neue, 1881 erbaute Synagoge, die wie das Grundstück im Eigentum der jüdischen Gemeinde war, wurde 1938 niedergebrannt und die Mauerreste bis auf die Grundmauern weggesprengt. In den 1950er Jahren baute die Stadt Bruchsal auf diesem Grundstück das Bruchsaler Feuerwehrhaus. Ein deutschlandweit einmaliger Vorgang. Keine andere deutsche Kommune baute auf einem Grundstück ein Feuerwehrhaus, auf dem zuvor die örtliche Synagoge stand.


Die Diskussionen in Bruchsal zur weiteren Nutzung dieses geschichtlich so belasteten Grundstückes werden in Bruchsal sehr breit geführt. Diese reichen vom Seniorenzentrum über ein Schulgebäude bis hin zu Sozialwohnungen.


Der jetzt gegründete Förderverein Haus der Geschichte der Juden Badens e.V. verfolgt einen anderen, gerade auch für unsere Stadt zukunftsweisenden Ansatz und setzt sich für die Errichtung eines Hauses der Geschichte der Juden Badens an dieser Stelle ein, wohl wissend, dass dadurch lediglich ein Zeichen gesetzt werden kann. Das Geschehene kann nicht wieder gut gemacht werden.


Das vom Förderverein unterstützte Haus der Geschichte soll ausdrücklich keine Holocaust-Gedenkstätte werden. In diesem Leuchtturmprojekt sollen insbesondere Beiträge und Verdienste jüdischer Mitbürger zu unserer badischen Landesgeschichte, zu Kultur, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gewürdigt werden. Durch die zentrale Lage ist das Synagogengrundstück mit seiner bewegten Geschichte exzellent zur Erfüllung dieses Anspruches geeignet. Darüber hinaus stärkt eine solche überregional bedeutsame Einrichtung Bruchsal nicht nur als Mittelzentrum. Sie steigert die Attraktivität der Innenstadt, zieht Touristen an und schafft Arbeitsplätze. Der Förderverein betont, dass gerade ein solches Geschichtshaus der geschichtlichen Herausforderung und dem gesellschaftlichen Anspruch gerecht wird.


Zum Vorsitzenden des Fördervereins wurde Dr. Günter Majewski gewählt. Weitere Vorstandsmitglieder sind Eberhard Schneider, Rolf Schmitt und Jürgen Schoner.


Am 22. Juni wird der Förderverein seine Ideen und Vorschläge erstmals öffentlich in der Bruchsaler Fußgängerzone an einem Informationsstand vorstellen. Im Internet ist der Verein unter www.geschichtshaus-badischer-juden.de zu finden und über E-Mail unter kontakt@geschichtshaus-badischer-juden zu erreichen.



7. April 2019: Rainer Kaufmann, RAINwürfe-TV  History 3: Gedanken zum Grundstück der ehemaligen Synagoge in Bruchsal




 

 

 



9. Oktober 2018: Fundamente der Synagoge ausgegraben

https://blog.bruchsal.org/2018/10/09/synagoge-bruchsal-grabung-9-10-2018/


1. Oktober 2018: Etwas wirklich Großes schaffen!

https://blog.bruchsal.org/2018/10/01/etwas-wirklich-grosses-schaffen/



 
 
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