Haus der jüdischen Geschichte und Kultur von Baden
EIN LEUCHTTURMPROJEKT FÜR BRUCHSAL
 

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Das Haus der jüdischen Geschichte

und Kultur von Baden



Ein Leuchtturmprojekt für Bruchsal

mit großer Signalwirkung und internationaler Strahlkraft

weit über Bruchsal hinaus



Das ist ja eine ganz großartige Idee, ein Haus der Geschichte badischer Juden in Bruchsal. Die Initiative ist sehr gut, weil sie das Ziel hat, dass mit dem Grundstück der ehemaligen Synagoge in Bruchsal höchst verantwortungsbewusst umgegangen wird.“

Dr. Joachim Hahn, Alemannia Judaica



  • Das Haus der Geschichte ist kein Holocaust-Museum.

  • Das Haus der Geschichte kann sowohl im Alten Feuerwehrhaus als auch in einem Neubau verwirklicht werden.

  • Bruchsal liegt ideal zwischen Mannheim und Karlsruhe, den beiden badischen Städten mit den größten jüdischen Gemeinden bis 1933. Zwei Drittel aller badischen Juden lebten in Nordbaden, um Bruchsal herum.

  • Das Geschichtshaus wird neue Touristen aus der ganzen Welt nach Bruchsal locken.

  • Durch die Nähe der Fußgängerzone wird diese durch neue, auswärtige Kundschaft belebt.

  • Die geplante Schulaula kann beispielsweise auch für wissenschaftliche Symposien, Abendveranstaltungen oder für Treffen junger Menschen genutzt werden.

  • Die Verlagerung des Städtischen Museums in die Innenstadt bringt auch finanzielle Vorteile, denn das vorhandene Personal kann zusätzlich für das Geschichtshaus tätig werden.

  • Der Gedenkgarten auf den Synagogenfundamenten trägt Ansprüchen des Denkmalschutzes Rechnung. Der Gedenkgarten kann in den Schulhof integriert werden.

  • Die Finanzierung hätte über das Land Baden-Württemberg zu erfolgen. Das Geschichtshaus ist ein badisches Projekt.

  • Stiftungen mit den Schwerpunktthemen Judentum, Bildung oder Forschung gibt es auch im Umkreis. Diese sind anzusprechen.



Prolog


Dieses Bruchsaler Leuchtturmprojekt sendet weltweit das Signal aus, dass es sich bei Bruchsal nicht um ein irgendeines der vielen Spargelstädtchen handelt, sondern um eine „kleine, feine Kommune“, so der neue Geschäftsführer der BTMV, die eben mehr kann als nur Spargel und Schloss. „In Bruchsal wird sehr viel Gutes gemacht, doch es gibt noch einiges zu tun und einiges zu entwickeln, um die Stadt über die Grenzen hinaus bekannt zu machen“ so der neue Geschäftsführer weiter. Das Geschichtshaus ist ein exzellenter Schritt dahin, unsere Stadt national und international bekannt zu machen und diese einzubinden in den Reigen erstklassiger historischer Museen oder Lernorte.

Das Geschichtshaus mit seiner einmaligen Erzählung kann auf der ganzen Welt Menschen erreichen, die etwas über die 1.200 Jahre dauernde Geschichte der Juden in Baden erfahren möchten, denn Baden war eines der wichtigsten Siedlungsgebiete von Juden auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Die badischen Juden waren eine alteingesessene Gruppe, die trotz oftmaliger Verfolgung und Vertreibung seit dem 9. Jahrhundert ununterbrochen hier lebte und unsere badische Heimat mit aufgebaut und gestaltet und mit für deren Wohlstand und Prosperität gesorgt hat.


Viele wichtige jüdische Persönlichkeiten kommen aus Baden oder haben badische Wurzeln. Hier sei nur erinnert an den Bankier Julius Bär aus Heidelsheim, Firmengründer Gebr. Katzauer in Bruchsal, der deutsche Bauhistoriker, Architekt, Pionier der staatlichen Denkmalpflege und Bruchsaler Ehrenbürger, Prof. Dr. Fritz Hirsch, die Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Marum, Ludwig Haas oder Ludwig Frank, die Fußballnationalspieler und deutschen Meister Gottfried Fuchs und Julius Hirsch, die Maler Gustav Wolf aus Östringen und Leo Kahn aus Bruchsal, die Karlsruher Schriftstellerin Anna Ettlinger, der Architekt und Komponist Dr. Richard Fuchs, die Herausgeberfamilie der New York Times, Sulzberger, oder der Nobelpreisträger Richard Willstätter aus Karlsruhe.


Die Nachkommen der im Nationalsozialismus verfolgten badischen Juden sind weltweit verstreut. Deren Eltern und Großeltern, die noch aus Baden kamen, leben meist nicht mehr. Die heutige Nachkommengeneration dieser Zeitzeugen möchte aber mehr über ihre Vorfahren erfahren. Die jährlich in Bruchsal statt findenden Stolpersteinverlegungen zeigen deutlich das außerordentliche Interesse, das diese Menschen an der Heimat ihrer Vorfahren haben. Gerade in den USA ist dieses Interesse sehr ausgeprägt. Ein badisches Geschichtshaus kann dieses äußerst große Potential erreichen und die Wissbegier der Nachfahren befriedigen und ihre Bindung an die Heimat ihrer Vorfahren, insbesondere auch Bruchsal als Sitz des Museums, stärken.


Ganz wichtig: Dieses Geschichtshaus ist ausdrücklich kein weiteres Holocaustmahnmal. Im Mittelpunkt stehen 1.200 Jahre Geschichte und Kultur der badischen Juden, von den Anfängen bis zur heutigen Zeit. So kann den jüdischen Gästen unserer Stadt über alle Verwerfungen der Vergangenheit hinweg die Hand gereicht werden.

Nein, es darf nicht irgendwann mal Ruhe sein, mag das auch noch so oft nahezu mantrahaft vorgetragen werden. James Baldwin schrieb einmal: „Geschichte ist nicht Vergangenheit, Geschichte ist Gegenwart. Wir tragen unsere Geschichte in uns, wir sind unsere Geschichte“. Und das ist richtig. Gerade heute, bei wieder aufkeimendem und sich manifestierendem Rassismus und Antisemitismus, einer Zeit, in der Synagogen und Flüchtlingsunterkünfte angegriffen werden, Menschen von Rechtsextremen mit dem Tode bedroht und sogar getötet werden, sollte man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und sich als „nicht zuständig“ erklären. Auch als Stadt-gesellschaft sind wir gefordert, beim derzeit um sich greifenden Fremden- und Judenhass Zeichen für die Weltoffenheit und Toleranz unserer Stadt zu setzen.


Warum Bruchsal?


Die badischen Juden waren eine alt eingesessene Gruppe, die trotz Verfolgung und Vertreibung seit dem 9. Jahrhundert ununterbrochen hier wohnte. 1925 zählte die badische Statistik 24.064 Juden. Sie verteilten sich auf 123 Gemeinden. Die größten jüdischen Gemeinden Badens bestanden 1925 in Mannheim (6972), Karlsruhe (3386), Heidelberg (1412), Freiburg (1399) und Pforzheim (886).


Darüber hinaus lebten 1925 beispielsweise in Weingarten 72 Jüdinnen und Juden, in Baden-Baden 435, in Bretten 155, in Bühl 111, in Durlach 60, in Eppingen 71, in Ettlingen 62, in Flehingen 83, in Hemsbach 86, in Königsbach-Stein 162, in Ladenburg 90, in Malsch bei Heidelberg 52, in Malsch bei Karlsruhe 101, in Mosbach 159, in Odenheim 36, in Pforzheim 886, in Philippsburg 50, in Rastatt 197, in Schwetzingen 73, in Sinsheim 79, in Untergrombach 56, in Walldorf 67, in Weinheim 157, in Wiesloch 103. Allein diese nicht vollständige Aufzählung nennt weitere 3.403 Menschen jüdischen Glaubens, die 1925 im Einzugsbereich von Bruchsal lebten. Rechnet man die Juden in kleineren Gemeinden auf geschätzte 4.000 Personen hoch, ergibt sich folgendes Bild:


Ort

Jüdische Einwohner

% Baden

% Nordbaden

Mannheim

6.972

29

43

Karlsruhe

3.386

14

21

Heidelberg

1.412

6

7

Bruchsal (3,7 % der Bewohner)

603

3

4

Kleinere Gemeinden

4.000

16

25

Gesamt Nordbaden

16.373

68


Gesamt Baden

24.064

100



Diese Übersicht zeigt, dass etwa 2/3 aller Badener jüdischen Glaubens in und um Bruchsal herum, also in Nordbaden, lebten. Welcher Standort für ein solches Museum wäre also besser geeignet als der geschichtsträchtige Boden der früheren Bruchsaler Synagoge? Der Vorsitzende der Israeliti-schen Religionsgemeinschaft in Baden, Herr Rami Suliman, hat dies sehr gut erkannt, als er diesen Ort vorschlug.


Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang die exzellente Verkehrsanbindung unserer Stadt insbesondere auch an den überregionalen Kfz-, Eisenbahn- und Flugverkehr.


Die Vorteile für Bruchsal, die Chancen für unsere Stadt


In den letzten Jahren aber auch Jahrzehnten hat es in Bruchsal eine lebendige Aufarbeitungskultur zur jüdischen Geschichte gegeben wie beispielsweise die Umbenennung des früheren Adolf-Hitler-Platzes in Otto-Oppenheimer-Platz, die Sicherung und Konservierung von Grabsteinen des jüdischen Verbandsfriedhofes bei Obergrombach, die regelmäßige Pflege der beiden Bruchsaler jüdischen Friedhöfe, die Platzierung von Gedenktafeln, u. a. für Dr. Ludwig Marum, die alljährliche Verlegung von Stolpersteinen, das Otto-Oppenheimer-Denkmal, die geplante Umnutzung des Taharahauses zu einem Gedenkort, jährliches öffentliches Gedenken an die Deportation nach Gurs und an die Reichspogromnacht.


In diesem Kontext ist es eine einmalige Chance, dem Synagogengelände mit dem darauf befindlichen Alten Feuerwehrhaus mit den noch existierenden Grundmauern der Synagoge durch ein Haus der jüdischen Geschichte und Kultur von Baden seine Authentizität wieder zu geben. Ein gleichartiges Geschichtshaus können andere Orte in Baden oder Württemberg auch planen, diese tiefe Glaubwürdigkeit der Örtlichkeit hat aber nur Bruchsal.


Das Geschichtshaus wird einzigartig sein und aufgrund seiner großen Strahlkraft Signalwirkung für eine breite Zielgruppe haben.


Der Benefit


a) Touristik

Ein Haus der jüdischen Kultur und Geschichte von Baden hat großes touristisches Potential. Neue Besuchergruppen werden nicht nur das Geschichtshaus besuchen, sondern darüber hinaus auch den Weg in die Innenstadt finden:


  • Nachfahren deutscher Juden aus aller Welt

  • ganz allgemein geschichtsinteressierte, junge Menschen

  • Schulklassen und Studenten, z. B. der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg

  • Theologen aller Glaubensrichtungen, Studenten der Geschichte oder Theologie, Historiker

  • Firmen, um eigenen Veranstaltungen einen würdigen Rahmen zu geben

  • Besucher universitärer und wissenschaftlicher Symposien


Es ist in der Umsetzung und beim späteren Betreiben des Geschichtshauses wichtig, das Stadt-marketing einzubeziehen, denn über Spargel und Schloss hinaus gibt es eine weitere, spannende Erzählung in unserer Stadt, das Haus der jüdischen Geschichte und Kultur von Baden, die historischen Synagogenfundamente, das Otto-Oppenheimer-Denkmal, die beiden jüdischen Friedhöfe oder die Gedenkstätte im Taharahaus.


b) Fußgängerzone / Einkaufsstadt

Es wird immer diskutiert, es sei kein Geld da, zuerst müsse doch die Fußgängerzone aufgewertet werden. Irgendwann müsse doch mal Ruhe sein, man wolle nichts mehr zu Holocaust und Judenverfolgung hören. Darf sich Bruchsal diese vorgeschobenen Argumentationen zu eigen machen?


Das Stadtsäckel mag derzeit etwas angespannt sein, die Corona-Pandemie wird wohl temporär bei den Gewerbesteuereinnahmen Lücken hinterlassen. Die Zuweisung von Einkommensteueranteilen wird vorübergehend vielleicht etwas geringer sein. Diese momentane Situation darf aber kein Argument sein, für unsere Stadt notwendige Maßnahmen auf die lange Bank zu schieben. Corona wird Bruchsal verändern, ebenso wie der Internethandel. Und auch die Wiedereröffnung der Karlsruher Fußgängerzone wird Einfluss auf die Kaufkraft in der Bruchsaler Innenstadt haben.


Es wird spannend und vielleicht sogar erschreckend sein zu sehen, inwieweit die oben genannten Ereignisse es vermögen, den Ladenmix in der Bruchsaler Fußgängerzone noch weiter auszudünnen. Schon jetzt hat die Fußgängerzone in ihrer Qualität sehr gelitten. Dauerhafter Leerstand in der Oberen Kaiserstraße, viele Friseure, Manikür- oder Mobiltelefonläden, Wettbüros und Spielhallen, 1-Euro-Shops und Tätowierstudios prägen die Innenstadt. Wie viele Läden werden jetzt, verursacht durch Corona und Internethandel, aufgeben müssen, wie viele Filialisten werden sich aus der Bruchsaler Innenstadt zurückziehen? Nicht vergessen werden darf, dass die jahrelange Schließung der Karlsruher Fußgängerzone einen Nachfrageschub in Bruchsal mit sich brachte. Bruchsal muss jetzt die Weichen stellen für die nächsten 20 oder 30 Jahre. Und nicht erst anfangen zu diskutieren wenn's zu spät ist.


Im Widerstreit. Altes Feuerwehrhaus oder Neubau?


Im Rahmen des städtischen Ideenwettbewerbs zur Nachnutzung „Alte Feuerwehr / Synagoge Bruchsal“ wurde mehrfach der Erhalt des Alten Feuerwehrhauses angeregt, denn die Bausubstanz des Gebäudes ist einwandfrei. Ebenso verweisen viele der Entwürfe auf die Wichtigkeit der Bewahrung der Synagogenfundamente.


Dies ist richtig, wichtig und gut, ist doch das Alte Feuerwehrhaus mit seiner Geschichte von deutschlandweit elementarer Bedeutung und historischer Einzigartigkeit. Nach dem 2. Weltkrieg wurden zwar Synagogen umfunktioniert zu Feuerwehrhäusern, aber nur in Bruchsal verstand man es, auf dem Gelände einer niedergebrannten Synagoge ein Feuerwehrhaus zu errichten – für Feuerwehrleute, die 1938 in der Reichspogromnacht vorgeblich kein Wasser zum Löschen hatten. Und gebaut wurde dieses Feuerwehrhaus nur 15 Jahre, nachdem die Synagoge schmählich den Flammen überlassen wurde.


Als Alternative zu einem Komplettabriss schlägt die Bruchsaler Kommission für Stadtgeschichte vor:


Die Front des Feuerwehrhauses, das selbst wieder ein zeitgeschichtliches Dokument darstellt, soll dokumentiert und nach Möglichkeit in irgendeiner Form in neue Baulichkeiten integriert werden. Ein Abriss des Feuerwehrhauses soll auf jeden Fall erst dann erfolgen, wenn die Dokumentation abgeschlossen und eine Entscheidung über die Form der Integration in neue Baulichkeiten getroffen wurde.“


Wie könnte eine Umnutzung des Alten Feuerwehrhauses aussehen?

Oder: Wie könnte ein Neubau ausgestattet werden?


Beides wäre mit nachstehendem Vorschlag machbar.

Das Alte Feuerwehrhaus ist dreigeschossig. Im Erdgeschoss befindet sich die Fahrzeughalle mit knapp 400 qm, darüber zwei weitere Geschosse mit jeweils ca. 300 qm.


Die Gestaltung


Die Fahrzeughalle

Im Entwurf des Landratsamtes (Wettbewerbsbeitrag TN 08, Seite 87 ff.) wird vorgeschlagen, für die Handelslehranstalt auf dem Synagogengelände eine Schulaula (Multifunktionsräume / Inter-kulturelles Zentrum) zu errichten. Geplant sind 430 qm. Dieser Vorschlag ist im Alten Feuerwehrhaus realisierbar. Zu beachten ist allerdings, dass das Alte Feuerwehrhaus teilweise die Synagogenfundamente überbaut, die lt. Entwurf in ihrer Gesamtheit zu erhalten und als „Bürgerpark Synagoge“ zu integrieren sind. Die Synagogenfundamente unterliegen wohl dem Denkmalschutz. Hier wäre bei einem Erhalt des Alten Feuerwehrhauses noch eine architektonisch sinnvolle Lösung zu finden, um diese Grundmauern in die Schulaula zu integrieren (Glasboden?). Bei einem eventuellen Neubau mit integrierter Fassade würden die Synagogenfundamente nicht überbaut, da das Gebäude näher zur Straße hin verwirklicht würde. Diese Multifunktionsräume bzw. das Interkulturelle Zentrum können natürlich auch als weiterer Veranstaltungsort in Bruchsal genutzt werden, insbesondere für Begegnungen von jungen Menschen aus dem In- und Ausland oder als attraktiver Ort für wissenschaftliche Kongresse und Vorträge. In diesem Zusammenhang wäre auch ein privat betriebenes Hostel auf der Gebäudezeile Steakhouse / dm anzudenken. Ins lokale Umfeld sollte auch bestehende oder neu zu errichtende Gastronomie einbezogen sein, die die individuelle Versorgung übernimmt, aber auch das Catering für Veranstaltungen durchführt.


Die Gestaltung der beiden Museen


Die heutigen interaktiven digitalen Möglichkeiten geben den beiden Museen ein hohes Potential an spannenden Darstellungen. Längst muss man sich nicht mehr nur ellenlange Texte anschauen und irgendwelche Fundstücke bestaunen. Dies könnte für das Bruchsaler Städtische Museum eine Neuausrichtung bedeuten, da vor allem der zur Verfügung stehende Raum komprimierter und informativer genutzt werden kann bei wesentlich erhöhter Attraktivität, insbesondere für jüngere Menschen. Hier können auch themenbezogene Sonderveranstaltungen geplant und verwirklicht werden.


Das 1. Obergeschoss


Ins 1. Obergeschoss könnte das Städtische Museum aus der momentanen versteckten Randlage in die Mitte unserer Stadt gebracht werden. Die derzeitige unattraktive Lage unterm Dach des Schlosses, erschlossen nur durch ein seitliches, abgelegenes Treppenhaus, würde bei einer Verlagerung in die Innenstadt durch einen wertvollen, attraktiven Standort ersetzt werden.


Die momentane Gesamtfläche des Städtischen Museums beträgt ca. 550 qm. Diese sind wie folgt genutzt:


  • Urgeschichtliche Themen 147 qm,

  • Frühgeschichtliche Ausgrabungen 90 qm,

  • Mineraliensammlung 18 qm.

  • Somit belegt das eigentliche Städtische Museum mit den stadthistorisch interessanten und wichtigen Themen lediglich ca. 295 qm.


Hier wird vorgeschlagen, dass Urgeschichtliches, Frühgeschichtliches sowie die Mineralien-sammlung - diese drei Themenbereiche haben nichts mit der eigentlichen Stadtgeschichte zu tun, die älteste noch heute nachweisbare Ansiedlung ist erst im Jahre 640 bei der heutigen Peterskirche entstanden - im Schloss verbleiben und beispielsweise von „Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“ mit verwaltet werden. Es handelt sich hier um vorgeschichtliche Themen, die problemlos außerhalb der Stadtgeschichte abgehandelt werden können und sollen.


Das 2. Obergeschoss


Das 2. Obergeschoss des Alten Feuerwehrhauses wiederum bietet Platz für das „Haus der jüdi-schen Geschichte und Kultur von Baden“. Auf 300 qm Fläche kann dieses badische (!) Museum sinnvoll die jüdische Geschichte dieser Region präsentieren. Hier ein Vorschlag von Dr. Uri Kaufmann zur thematischen Einrichtung des Geschichtshauses:


  1. Mittelalter: „Aschkenas“, hebräisches Manuskript Bodensee-Gegend, (ev. Bild vom Juden in christlicher Kunst: Freiburger Münster)

  2. Frühe Neuzeit: Verdrängung aufs Land: Landjudentum: Hausierer und Viehhändler, Landfriedhöfe (Obergrombach)

  3. Hoffaktoren: Neugründungen städtischer Gemeinden: Mannheim 1655, Karlsruhe 1719 etc.

  4. Kampf um gleiches Recht 1800-1862 (Synagogenbau in Baden: Touchscreen)

  5. Interne Debatten 1830-1880: Streit über Liturgie und Orgel: „Doktorrabbiner“, Austrittsorthodoxie Karlsruhe (1868 ff.)

  6. Sozialer Aufstieg, Verstädterung 1862-1914: Ausgewählte Firmengeschichten (Textilhandel, Warenhaus, Freie Berufe) (Bruchsal: Tabakindustrie, Mälzereien, Herdfabrik Falk, Farbenfabrik Gebr. Katzauer).

  7. Erster Weltkrieg und Weimarer Zeit: Ludwig Marum, Nathan Stein: Oberrat der Israeliten

  8. Verfolgung, Deportation Gurs Oktober 1940, Emigration: ausgewählte Biographien (Hörstation? Oskar Althausen?)

  9. Wiederaufbau nach 1945 (Levinson), Zuwanderung aus der ehemaligen UdSSR, Neugründungen Gemeinden: Kurz-Statements jüdischer Gemeindemitglieder: Was bedeutet mir Tradition? Wie stehe ich zu Deutschland, zu Israel?“


Dr. Kaufmann, der das in der Alten Synagoge Essen sich befindende Haus jüdischer Kultur leitet, sieht eine Fläche von 300 qm für das Geschichtshaus als ausreichend an, denn, so Dr. Kaufmann, „man kann heute Informationen in interaktiven Stationen „verpacken“, d.h. man muss nicht wie früher alles auf Tafeln mit langen Texten präsentieren“.

Herr Kaufmann regt weiterhin an, der Geschichte der jüdischen Bevölkerung von Bruchsal in diesem Geschichtshaus einen angemessenen Rahmen zu geben, womit wiederum die Verbindung zum Städtischen Museum hergestellt wäre.


Die Erarbeitung der digitalisierten Ausstellung für das Geschichtshaus wird durch den Förderverein des Geschichtshauses begleitet.


Die Verzahnung


Wäre es tatsächlich möglich, das Städtische Museum an diesen Standort zu verlegen, ergäbe sich auch der positive Spareffekt, dass beide Museen weitestgehend mit dem bereits vorhandenen Personal betrieben werden könnten.


Die Verlagerung des Städtischen Museums in das Feuerwehrhaus birgt noch mehr Vorteile. Der Thementeil „Judentum in Bruchsal“ kann im Geschichtshaus präsentiert werden und die beiden Museen / Lernorte könnten über die Bruchsaler jüdischen Mitbürger „verknüpft“ werden. Deren Wichtigkeit für eine Stadtgesellschaft könnte beispielhaft dargestellt werden (Ludwig Marum, die Familie Schrag, die regionalen Firmengründungen wie der Tuchhandel Oppenheimer oder die Malzfabriken und Rohtabakhändler). Durch die Reduzierung des Städtischen Museums auf die eigentliche Stadtgeschichte können weitere wichtige städtische Themen prominent in interaktiven Erlebniswelten mit weniger Platzbedarf vorgestellt werden. Dadurch kann im Städtischen Museum eine größere Ausstellungsfläche für andere wichtige Bruchsaler Themen zur Verfügung stehen. Bruchsal war beispielsweise „die Gefängnismetropole“ in Baden. Dies könnte durch prominent gestaltete Hereinnahme der Themen Psycha, Weiberstrafanstalt, aber auch Richtstätte geschehen (Strafvollzug in Baden). In Bruchsal und im nächsten Umkreis wurden über die Jahrhunderte die Weichen in Richtung unserer heutigen Demokratie gestellt: Bauernkrieg, Revolution 1848/49, aber auch Kislau, Ludwig Marum und Guillotine (Widerstand, Revolution und Freiheit in Baden und Bruchsal).


Sollten zwei attraktive Museen, davon eines mit einem badischen Thema, direkt in die Innenstadt verlagert werden, bringt dies Gäste und Touristen in die Mitte unserer Stadt.


Der Gedenkgarten


Der vom Architekten des Landratsamtes und auch einigen Nachfahren der früheren Bruchsalerinnen und Bruchsaler vorgeschlagene Gedenkgarten wertet die Synagogengrundmauern bedeutend auf. Dadurch könnte das innerstädtische Bild und die Außenwirkung unserer Stadt entscheidend positiv verändert werden.


Die Finanzierung


Es handelt sich um ein baden-württembergisches Projekt, wie der Namensbestandteil „von Baden“ schon verrät. Daher steht bei der Finanzierung zunächst die Landesregierung im Fokus. Sicher gibt es aber auch Unterstützer aus dem großen Bereich der Stiftungen.


Nach der Entscheidung der Stadt für das Geschichtshaus sind solche Sponsoren zu finden. Dies gilt besonders für die Kosten der Startphase und die laufenden Betriebskosten des Betreibens der beiden Einrichtungen: Städtisches Museum und Geschichtshaus der jüdischen Geschichte und Kultur von Baden.


Genannt seien hier als mögliche Unterstützer die Klaus Tschira Stiftung in Heidelberg, die Bildungs- und Forschungseinrichtungen fördert. Der mittlerweile verstorbene Klaus Tschira lebte einige Jahre in Untergrombach. Die Dietmar Hopp Stiftung in St. Leon-Rot hat in der Vergangenheit schon Projekte mit jüdischem Hintergrund gefördert. Die Alfred Landecker Foundation wendet sich gegen Antisemitismus und Hass gegen Minderheiten. Gerade weil das Geschichtshaus kein Holocaustmahnmal sein wird, wird es für Sponsoren wesentlich interessanter sein, sich zu engagieren.


Eine Akquisition von Sponsoren ist aber erst bei Vorlage eines komplexen und weitgehend verabschiedeten Gesamtkonzept möglich. Der Förderverein wird sich an der Akquisition von Sponsoren nach positiver Verabschiedung des Projektes beteiligen.


Darüber hinaus wird sich der Förderverein für die Verbreitung der Idee eines Hauses der jüdischen Geschichte und Kultur von Baden in Bruchsal einsetzen, ganz speziell bei den Nachfahren der jüdischen Badener, denn auch hierin sieht der Förderverein seine wesentliche Bestimmung. Der Förderverein hat mittlerweile einen Freundeskreis etabliert, dem unter anderen viele Nachfahren, Verwandte und Freunde früherer Bruchsalerinnen und Bruchsaler angehören, die zu Zeiten des Nationalsozialismus ihre Heimatstadt verlassen mussten. Mit ihrer Mitgliedschaft zeigen sie ihre Freundschaft zu unserer Stadt und unserem Land sowie ihr Interesse an der Idee eines badischen Hauses der jüdischen Geschichte und Kultur von Baden.


Epilog


Über den Umgang mit Synagoge und Grundstück von 1881 bis heute


Im September 1881 wurde die Bruchsaler Synagoge eingeweiht, Bruchsalerinnen und Bruchsaler jüdischen Glaubens spendeten dafür 140.000 Mark. Bereits 57 Jahre später, im Jahr 1938, wurde die Synagoge von Bruchsalern und Auswärtigen niedergebrannt. Die Bruchsaler Feuerwehr löschte nicht.


Der Bruchsaler Handelslehrer und NSDAP-Kreiswirtschaftsberater Wilhelm Bauer schrieb bereits im August 1939 an das Landratsamt: „Es besteht meiner Einschätzung nach ein öffentliches Interesse, dass die Stadt Bruchsal den Raum, auf dem die Synagoge stand, neu gestaltet. Im Zuge dieser Neugestaltung wird das Wohnhaus [bewohnt von Religionslehrer und Kantor Benjamin Bravmann, Friedrichstraße 76] der Spitzhacke weichen müssen.“


Im August 1939 rechtfertigte der Bürgermeister der Stadt Bruchsal in einem Schreiben an den Landrat den Kauf der beiden Synagogengrundstücke mit ihrer für städteplanerische Bauprojekte prädestinierten Lage im Herzen der Stadt. Man wolle an dieser Stelle die neue Stadthalle errichten.


Im März 1953 feierten Stadtverwaltung, Feuerwehr und die Bruchsaler Bürgerinnen und Bürger unbeschwert das Richtfest der neuen Feuerwehrwache auf dem Synagogengelände. Nur 13 Jahre zuvor, am 22. Oktober 1940, wurden die letzten hier verbliebenen Bruchsalerinnen und Bruchsaler jüdischen Glaubens unter den Augen ihrer Nachbarn nach Gurs deportiert.


Seit 2019 wird über die Nachnutzung des Grundstückes nach dem Auszug der Feuerwehr auch im Gemeinderat diskutiert. Pläne über einen Verkauf des Synagogengrundstückes an einen Investor mussten ad acta gelegt werden. Neben der Bemerkung, dass ein Verkaufserlös für das Grundstück bereits im städtischen Haushalt „eingepreist“ sei, gab es im Bruchsaler Gemeinderat auch diesen Hinweis zu den Synagogenfundamenten: „Die Steine können weg“. Ebenso wurde darauf verwiesen, dass Bruchsal leider „keinen Rothschild“ habe, der ein Haus der jüdischen Geschichte und Kultur von Baden finanzieren könne. Andererseits wurde der ideelle Wert des Grundstückes sehr wohl erkannt. Ein Bruchsaler Gemeinderat nannte das Grundstück „die Herzkammer der Bruchsaler Identität“ - womit er den Nagel auf den Kopf getroffen hat.


© Förderverein Haus der Geschichte der Juden Badens e.V.




 
 
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